Mittwoch, 23. Februar 1916 – Die Sekundarlehramtskandidaten vergnügen sich beim Wintersport

Sportnachmittag von I. & II. Ü; 23/II.16.

Nach grünen Weihnachten, im Februar endlich noch einmal Schnee. Dies Jahr war’s leider mit den Winterfreuden nicht weit her. Darum wollten wir diesen Schnee, vielleicht den letzten, noch recht benützen. Statt zum Turnen und Handarbeit ging’s am Mittwochnachmittag mit Schlitten und Skiern hinaus. Kurz nach 2h marschierten wir von Haltestelle der Drahtseilbahn in St.Georgen ab. Die Skifahrer nahmen den Weg zum Bädli und wir Schlittler zum Brand, wo schon viele sich auf den Schneebrettern tummelten. Ins Brandtobel hinunter konnten wir fahren, aber wie – ? Den steilen Weg z. Schäflisegg nahmen wir recht gemütlich mit dem Ziehen der Schlitten abwechselnd. Auf der Höhe des Rückens angelangt, wurde aufgeladen. Manche allein, zu zweien, wir aber Vieren. Kurze Strecken ging’s in raschem Laufe den Berg hinunter; aber durch das Lenken der Schlitten wurden wir so mit Schnee bespritzt, dass wir die Zipfelmütze gern über die Ohren zogen. Im Dorfe unten schauten uns einige Mädchen nach, und zogen dann die „schmeichelhafte“ Folgerung „Äne schöner, as ter ander“ [Einer schöner als der andere]. Unsern Schulkameraden Kläger besuchten wir dann; denn er machte in Teufen ein[e] Kur durch, kegelte, ging spazieren und ass Pomeranzen [Bitterorange] mit Schale, während dem wir Geschichte und franz. Grammatik wiederkauten. Er begleitete uns und fuhr nochmal mit uns nach Teufen hinunter. Plaudernd erreichten wir wieder Schäflisegg, wo wir uns von ihm trennten. Eine feine Rodelpartie hatten wir in‘s das [sic] Brandtobel hinab. Bei jedem Rank kommandierte Wessner: „Na[ch] rechts oder nach links biegen“. Wenn wir nicht gehorchten, so hiess es: „Wenni säg noch rechts so…“ „So got me noch links“ ergänzte ich, und lenkte so um einen Rank, dass er es nur spürte. Doch als Wessner seine Kom[m]andos ohne Erfolg wiederholte, hatte ich den Schlitten nicht mehr in Gewald [sic] und fuhr mit der ganzen „Bagage“ in die Schneemauer, wo ich von einer lebenden Lawine, meinen drei Kameraden, bedeckt wurde. Bei den schon unten Angekommenen bracht über uns Schneemännern ei[ne] tüchtige Lachsalve aus. Da es allmählich dunkelte, machten wir uns auf den Heimweg. Gegen 6h abends kamen wir in St.Georgen an und trennten uns. Pudelnass kam ich nach Hause, aber schöner als Handarbeit war’s sicher gewesen.

Der Berichterstatter:

Max Eberle

Sportnachmittag v. I. u. II.ü.

Abteilung Skifahrer 23.II.16

Gross war die Freude der Klasse I.ü, als Herr Hausknecht ihr verkündete, am Nachmittag werde eine Tour auf den Skis ausgeführt. Sogar Fräulein Hedwig sagte ihre Teilnahme zu. Allerdings hielt sie ihr Wort nicht. – 145 versammelten sich I u. II.ü am obern Ende der Drahtseilbahn. Die Einen kamen mit Schlitten, die, welche Ski hatten, brachten diese mit. Bald marschierten die Klassen ab. In St.Georgen trennten sich die Schlittler von den Übrigen. Der Weg der Skiläufer führte diese nach der „Waldegg“ u. „Birt“. Am Waldrand angekommen, wurden die Skis angeschnallt, denn, auf dem verschneiten Wege konnte man kaum zu Fuss weiterkommen. Im Gänsemarsch fuhren wir durch den Wald. Auf der „Waldegg“ kamen wir in Nebel. Auf dem „Birt“ übten wir. Nach kurzer Zeit fuhren wir wieder nach Hause. Dabei mussten Schelling u. Schilliger den Weg weisen. Aber fast auf der ganzen Strecke bis zum „schwarzen Bären“ mussten sie gehen, so tief lag der Schnee. Von dort aus stiegen wir auf den „Kapf“. Dort trennten wir uns u. einzeln fuhren wir nach unsern Wohnungen.

Der Berichterstatter:

H. David, I.ü

Bei „Fräulein Hedwig“ handelt es sich um Hedwig Schenker (geboren 25. Februar 1897). Die Ansichtskarte (um 1910) zeigt das Restaurant Scheffelstein mit Blick auf die Kaserne und das Restaurant Militärkantine.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, B 012/5.2 (Texte) und ZMA 18/01.10-37 (Bild)

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