Montag, 13. März 1916 – Ein Jugendlicher muss mit anpacken

13. März 1916.

An den evang. Schulrat in Tablat.

Tit.!

Mit Schreiben vom 2. dies. empfehlen Sie zur Entsprechung ein Gesuch der Frau Hagen, Langgasse, um vorzeitige Schulentlassung des Knaben Kurt Hagen, Schüler der 7. Klasse, bei Lehrer Roduner, in der Gerhalde. Zur Begündung des Gesuches führen Sie an, der betr. Familienvater habe die Frau Hagen mit 8 Kindern böswillig verlassen und sich angeblich mit einer Weibsperson davon gemacht.

Die Kinder stehen im Alter von 20, 15, 14, 9, 8, 7, 5 u. 3 Jahren. Der älteste Sohn stehe z.Zt. in deutschen Kriegsdiensten und liege im Lazaret [sic] in München. An Unterstützung erhalte die Familie monatlich nur 90 Fr., wovon jeden Monat für Hauszins 30 Fr. abgehen. Der Knabe Kurt Hagen sei geb. den 22. Jan. 1902; es biete sich nun für ihn eine günstige Anstellung bei Selig u. Cie., mit 14 Fr. Wochenlohn.

Auf Antrag des Bezirksschulratspräsidenten von Tablat und in Betracht der traurigen Lage dieser fremden Familie, haben wir als Ausnahme beschlossen, die gewünschte Entlassung zu bewilligen.

Hochachtend,

Im Namen der Erziehungs-Kommission,

Der Präsident:                                      Der Sekretär:

Scherrer [Unterschrift]                         D. Dütschler [Unterschrift]

 

Selig im Adressbuch

Quellen: StASG, KA R.130 B 2 (Copie des lettres, Schreiben des Erziehungsrates betreffend eines Schulentlassungsgesuchs), Adressbuch der Stadt St.Gallen von 1916

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