Recyclingbetrieb Arber in Wil

Freitag, 24. März 1916 – Ausländi-sche Konkurrenz für Recycling-betriebe

Die Firma Karrer in St.Gallen als Präsidentin des Vereins Schweizerischer Rohproduktenhändler beschwerte sich beim Regierungsrat […], dass sich zurzeit in allen grössern Ortschaften der Schweiz Händler, meist ausländischer Herkunft, bemerkbar machen, die Einkaufsstellen für Hadern etc. errichten. Hadern (Lumpen) sind Textilabfälle, die man verwendete, um u.a. Papier herzustellen. „Lumpensammler“ lieferten diesen vor allem auch während Not- und Mangelzeiten wie dem Ersten Weltkrieg begehrten Wertstoff in die Papiermühlen. Weiter heisst es im Protokoll der Regierung (Nr. 745):

In den meisten Städten sei vor dem Kriege die Errichtung von Einkaufsstellen dieser Branche mit grossen Schwierigkeiten verbunden gewesen, indem aus Gründen der Hygiene der Betrieb solcher Geschäfte inmitten bevölkerter Quartiere untersagt wurde. Die in letzter Zeit zutage getretene grosse Nachfrage nach Hadern und Abfällen aller Art habe die Errichtung einer grossen Zahl von Einkaufsstellen inmitten bevölkerter Quartiere gerufen, und dabei handle es sich nicht etwa um besonders eingerichtete, abgesonderte Räumlichkeiten, sondern die Hadern werden in den Wohnungen der betreffenden Händler selbst aufbewahrt. Im Inseratenteil jeder beliebigen Zeitung begegne man einer Anzahl von Anzeigen, mit welchen das Publikum auf die sehr oft unreellen Haderneinkaufsstellen aufmerksam gemacht werde, deren Hintermänner sich in den Gasthöfen grösserer Städte aufhalten und dort weder Steuern bezahlen, noch im Handelsregister eingetragen seien. Diese Konkurrenz werde von den einheimischen Sammlern und Händlern schwer empfunden, und es werde daher das Gesuch gestellt, geeignete Massnahmen treffen zu wollen zur Behebung der angeführte Missstände.

Der Regierungsrat hatte diese Frage von der kantonalen Sanitätskommission beurteilen lassen. Diese vertrat die Ansicht, dass es, […] vom sanitätspolizeilichen Standpunkte betrachtet, auf dasselbe herauskomme, ob die Abfälle von Agenten der Beschwerdeführer oder von andern Sammlern eingekauft werden. Wenn spezielle Fälle namhaft gemacht werden können, wo besondere Massnahmen ergriffen werden müssen, oder wo solche missachtet werden, sollen diese angezeigt werden. Aber ein allgemeines Verbot erscheine nicht als angängig.

Die Regierung schloss sich dieser Meinung an und meinte ausserdem, ausländische Händler müssten ohnehin gemäss Hausiergesetz ein Patent lösen, das aber in der Regel nicht ausgestellt würde.

Ausserdem befassten sich die Regierungsräte in ihrer Sitzung mit folgenden Themen:

Zum Schicksal eines Lumpensammlers vergleiche den Beitrag zum 25. Januar 1916.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und ZMH 87/071 (Beitragsbild, Auszug aus Briefkopf, 1910)

 

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