Freitag, 26. Mai 1916 – Jagd auf Raubvögel zum Schutz militärischer Brieftauben

Der Steinadler im Bild war nicht in Gefahr, wohl aber eine ganze Reihe anderer Raubvögel, wie der Regierungsbeschluss Nr. 1295 festhielt:

Das schweizerische Militärdepartement ersuchte die Kantonsregierungen mittelst Kreisschreiben vom 24. Juni und 27. Juli 1915 zum Schutze der für militärische Zwecke trainierenden Brieftauben einen Extra-Abschuss von Sperbern, Hühnerhabichten und Wanderfalken ausnahmsweise zu bewilligen. Schon vorher war vom Zentralpräsidenten der schweizerischen Brieftaubenstationen ein bezügliches Gesuch an das referierende Departement [gemeint ist das Justizdepartement] gestellt worden. Letzteres erteilte solche Bewilligungen an eine Anzahl zuverlässiger Jäger der Bezirke St.Gallen, Tablat, Unter- und Oberrheintal, Werdenberg und Sargans. Die erlegten Vögel mussten dem Direktor des naturhistorischen Museums in St.Gallen eingesandt werden, der sie kontrollierte und darüber berichtete. An Prämien wurden per Stück vergütet, vom Bunde Fr. 1.-, vom Zentralverein schweizerischer Brieftaubenstationen Fr. 1.- und vom Brieftaubenverein Columbia in St.Gallen für einen alten Raubvogel F. 3.- und für einen jungen Fr. 2.-. Im Kanton St.Gallen wurden 64 Stück erlegt.

A 507-11.1.2-03.33 Emil BächlerMit Eingabe vom 28. April l.J. [laufenden Jahres] machten Professor Dr. Steiger in St.Gallen namens des Zentralvereins schweizerischer Brieftaubenstationen und Direktor E. Bächler namens des naturhistorischen Museums St.Gallen geltend, dass der vorjährige Abschuss der bezeichneten Raubvögel im allgemeinen ein ungenügender gewesen sei, zumal er auch zu spät eingesetzt habe. Ein weiterer Abschuss sei ums nötiger, als die genannten drei Raubvogelarten auch die gefährlichsten Feinde der für die Land- und Forstwirtschaft so nützlichen Singvögel seien. Es handle sich nur um eine Dezimierung, keineswegs aber um eine Ausrottung der Raubvögel, so dass vom Standpunkte des Naturschutzes aus keine Bedenken bestehen. Die Häufigkeit der Raubvögel sei auch heute noch eine zu grosse. Nun seien aber die finanziellen Mittel der lokalen Brieftaubenvereine zu beschränkte, um auch im laufenden Jahre eine Prämie von Fr. 3.-, bezw. Fr. 2.-, per Stück leisten zu können. Dagegen würde der Zentralverein eine Prämie von Fr. 1.- gewähren. Es sollte daher der Kanton in den Riss treten, um für jeden ausgewachsenen Vogel Fr. 5.- und für jedes Nestjunge 50 Rappen vergüten zu können. Auch sollte der Abschuss auf weitere Gebiete des Kantons, sowie auf die Zeit bis Mitte September ausgedehnt werden. 

Das Landjägerkommando befürwortete mit Vernehmlassung vom 5. Mai l.J. die Bewilligung des Abschusses nur für die Dauer von 2 Monaten und die Entrichtung einer kantonalen Prämie von nur Fr. 1.- per Vogel und von 50 Rappen für ein Nestjunges. Das Volkswirtschaftsdepartement befürwortete mit Reskript vom 15. Mai auf Grund eines Gutachtens der landwirtschaftlichen Schule Custerhof den Abschuss von Hühnerhabichten und Sperbern, nicht aber denjenigen der selben vorkommenden Wanderfalken. Das Präsidium der st.gallischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft und der kantonalen Naturschutzkommission schloss sich diesem Vorschlage an und befürwortet ebenfalls eine Abschussdauer von 2 Monaten.

Der vollständige Beschluss und alle übrigen Themen finden sich hier:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) sowie ZNA 01/0175 (Erziehungsrat des Kantons St.Gallen (Hg.): Lesebuch für das sechste Schuljahr der Primarschulen des Kantons St.Gallen. St.Gallen 1906)  und A 507/11.1.2-03.33 (Porträt Emil Bächler, 1906)

Eine Kurzbiographie zu Emil Bächler ist nachzulesen unter: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D31445.php

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