Montag, 3. Juli 1916 – Das „wahn-witzige Spiel des Imperialismus“ – ein Politiker macht sich Gedanken zum Krieg

Tagebucheintrag von Josef Scherrer-Brisig (1891-1965), Sekretär des Schweizerischen Christlichen Textilarbeiterverbands (1910-1916), später Kantonsrat und Nationalrat, Mitbegründer der Christlichsozialen Bewegung:

[…]

Die Zeitungen melden den Beginn einer mit grossen Kräften unternommenen französisch-englischen Offensive. Oh Gott, wie viel Blut muss da wieder fliessen. Wann wird dem wahnwitzigen Spiel des Imperialismus endlich ein Ende gesetzt?

Es scheint ja allerdings, dass alles einer Entscheidung zudrängt, aber wird sie heute schon kommen. Das ist die Frage, von der alles abhängt. Die Schweiz kommt in eine immer schwierigere Lage. Die deutsche Note lastet gegenwärtig auf unserem Lande. Die Delegation, die von der Schweiz nach Paris ging, um bezüglich der von Deutschland verlangten Kompensationen zu unterhandeln, ist ohne einen Erfolg erreicht zu haben wieder in unser Land zurückgekehrt. Wie werden sich die Dinge nun gestalten? Wird Deutschland die Kulanzfuhr sperren? Die kommenden Tage werden auch diese Frage beantworten.

Nun will ich zur Ruhe gehen. Es brechen nun einige Tage Ferien an. Möge Gott mir in diesen Tagen nach angestrengter Arbeit gute Erholung der Kräfte geben. Alles im Namen Gottes zu seiner höchsten Ehre!

Hinweis: Zwei Tage zuvor, am 1. Juli 1916, hatte mit der französisch-britischen Offensive an der Somme eine der verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs begonnen.

Quelle: Staatsarchiv St.Gallen, W 108/1 (Tagebuch) und B II 3733.3 (Panzerautomobil mit Maschinengewehren bewaffnet aus: Der Weltkrieg 1914-1915. Prachtausgabe für das Schweizer Volk, Bd. 3, St.Gallen 1915)

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