Mitarbeitende der Metzgerei Hirschen in Wittenbach

Mittwoch, 23. August 1916 – Aktuelles aus dem Bezirk Rorschach und aus Altstätten

Zwei Kurzartikel in der Rorschacher Zeitung dieses Tages berichteten von Ereignissen in Wittenbach:

Wittenbach: Ein Metzgergehülfe der Metzgerei zum „Hirschen“, ein verheirateter älterer Mann, stürzte so unglücklich, dass er schwer verletzt vom Platz getragen werden musste. 

Möglicherweise ist der Verunglückte auf dem Bild (Auszug aus einer Postkarte der Metzgerei Hirschen aus dem Jahr 1915) zu sehen.

Wittenbach: Dienstag mittag schlug der Blitz in den Turm der hiesigen Kirche, beschädigte ihn, sowie Dachkennel, Blitzableiter usw. Sämtliche Sicherungen der elektrischen Einrichtung sind geschmolzen. Auch die Starkstromleitung wurde getroffen, so dass verschiedene Motoren ausser Funktion treten mussten. Mehrere Geschäfte (Mosterei, Lorrainstickerei, Schmieden) hatten daher eine Betriebsstörung. Als man dem Platzmonteur telephonieren wollte, ergab es sich, dass auch das Telephon streikte. 

Die Zeitungsausgabe enthält auch amtliche Anzeigen:

Thal.

Griesabgabe.

Vom kant. Volkswirtschaftsdepartemente sind der Gemeinde wiederum 150 Kg. [sic] Hartweizengries zu allgemeinen Kochzwecken zur Verfügung gestellt.

Die Abgabe desselben in Quantitäten von nicht mehr als 1 Kg. pro Familie zum Höchstpreise von 80 Rp. per Kilo erfolgt durch Hrn. Gemeinderatsweibel Lutz, Montag den 28. August 1916, nachmittags 1 ½ Uhr, im Rathaus (Weibelzimmer). Es werden dabei in erster Linie kranke Personen und die weniger bemittelten Kreise berücksichtigt.

Thal, den 22. August 1916.

Die Gemeinderatskanzlei.

Neben Thal verteilte man auch in Rorschach Griess an Bedürftige: 

Rorschach. Griesverkauf.

Der Gemeinderat bringt Donnerstag den 24. August 1916, von nachmittags 2 Uhr an, beim Rathause, 400 Kilogramm Gries, kiloweise zu 80 Rappen pro Kilo zum Verkaufe.

Um möglichst viele Familien berücksichtigen zu können und einen Massenandrang zu verhindern, müssen folgende Bedingungen gestellt werden:

  • Berücksichtigt werden nur Familien mit Kindern unter 6 Jahren.
  • Sollte das Quantum nicht ausreichen, so erhalten jene Familien, die diesmal nicht berücksichtigt werden konnten, das nächste Mal den Vortritt, diesen wird ein bezüglicher Ausweis gegeben.
  • Kranke, die glauben, Anspruch auf Gries zu haben, wollen sich direkt durch ihren Arzt an das kantonale Laboratorium in St.Gallen wenden.
  • Es wird nicht mehr als ein Kilo an jede Familie abgegeben. Sollte noch ein Vorrat bleiben, so wird den Familien mit grosser Kinderzahl die Möglichkeit gegeben, Nachbezüge zu machen.

Rorschach, den 21. August 1916.

Aus Auftrag: Die Gemeinderatskanzlei. 

In Tübach und in Mörschwil stand die Obsternte bevor:

Tübach. Verbot.

Es wird wiederum in Erinnerung gebracht, dass das Auflesen und Herunternehmen von Obst auf fremdem Grund und Boden, ebenso jegliches Beschädigen und Entwenden von Feld- und Gartenfrüchten grundsätzlich verboten ist. Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden unnachsichtlich und strenge bestraft. Für bezügliche Vergehungen durch Kinder, werden deren Eltern oder Vormünder verantwortlich gemacht.

Leute, bei welchen berechtigter Verdacht geschöpft werden muss, dass sie sich bezüglicher Entwendungen schuldig gemacht haben, haben eine Hausuntersuchung zu gewärtigen.

Tübach, den 22. August 1916.

Aus Auftrag: Die Gemeinderatskanzlei. 

Mörschwil. Obstfrevel.

Alles Entwenden und unberechtige Auflesen von Feld-, Baum- und Gartenfrüchten ist strengstens untersagt. Uebertretungen werden unnachsichtlich mit aller Strenge bestraft. Für Kinder sind deren Eltern oder Vormünder haftbar.

Mörschwil, den 17. August 1916. Der Gemeinderat. 

Der Sommer war noch nicht vorüber, wie folgende Anzeige belegt:

Gemeinde Rorschach.

Bade-Ordnung für die Mädchen.

Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag:

  • Die Mädchen bis und mit der 5. Klasse 4-5¼ Uhr.
  • Die Mädchen von der 6. Klasse an aufwärts 5¼-6¼ Uhr
  1. Die Mädchen, die keine Schule haben, können auch von 2-4 Uhr bade.

Donnerstag:

  • Die Mädchen bis und mit der 5. Klasse 2-4 Uhr
  • Die Mädchen von der 6. Klasse an aufwärts 4-6 Uhr

Samstag:

  • Die Mädchen der Sekundarschule 2-4 Uhr
  • Die übrigen Mädchen 4-6 Uhr.

Rorschach, den 21. August 1916.

Im Auftrag der gemeinsamen Badekommission:

Der Bauvorstand.

Ausserdem enthielt die Tagesausgabe der Zeitung einen Bericht über den August-Jahrmarkt in Altstätten, der am 21. August abgehalten worden war: Sehr zahlreich aus allen angrenzenden Dörfern der rheintalischen Metropole rückten heute die Marktbesucher ein. Auf dem grossen Marktplatz auf der Breite war des Vormittags ein Gedränge, dass man Mühe hatte, durchzukommen. Das Wetter war aber auch wie gemacht zum Marktbesuche; nicht zum Emden und auch nicht ganz regnerisch, darum für viele geeignet, die stets zügige „Augustkilbi“ zu frequentieren.

Verkauft wurde Obst, Gemüse, Vieh (302 Stück Grossvieh, 18 Kälber, 621 Schweine, 47 Ziegen, 16 Schafe, 12 Pferde: total 1016 Stück), Käse und Butter. Ausserdem gab es einen Krammarkt: Dieser entwickelte sich recht ordentlich; die Kauflust war zwar hier nicht so gross, denn es fehlte das nötige Kleingeld hiezu. Dafür haten die Herren Wirte einen guten Tag; gerade zur rechten Zeit schickte Petrus einen ordentliche Sprühregen und im Nu füllten sich die Wirtschaftslokale bis in alle verfügbaren Etagen. Der diesjährige Augustkilbimarkt darf mit Rücksicht auf die gegenwärtige Zeitlage als sehr günstig bezeichnet werden.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, P 913 (Rorschacher Zeitung, , 23.08.1916, Nr. 195) und W 238/02.01-10 (Auszug aus einer Ansichtskarte zur Metzgerei Hirschen in Wittenbach)

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