Skizze aus Patentschrift

Dienstag, 7. November 1916 – Neu: Stahlhelme in der Schweizer Armee

Die Hutfabrik Nägeli & Cie.  und deren Arbeiter in Rapperswil waren besorgt. In der Presse sei die Meldung erschienen, […] dass für die schweizerische Armee in Ersetzung der bisherigen Militärkäppi Stahlhelme angefertigt werden sollen und dass vom Bundesrat hiefür bereits ein Kredit von 2 Millionen Franken erteilt worden sein soll. Die Firma wies darauf hin, […] dass dadurch eine nicht unbedeutende inländische Industrie gefährdet und auch im Kanton St.Gallen eine grössere Anzahl Arbeiter brotlos würden. Sie bat den Regierungsrat, deswegen beim Bundesrat vorstellig zu werden (Nr. 2562).

Ganz so einfach waren diese Stahlhelme aber nicht herzustellen und die Befürchtungen der Hutindustrie deshalb etwas voreilig. Professor Friedrich Schwerd (1872-1953), Ingenieur aus Hannover, hatte 1916 den Stahlhelm für die deutsche Armee erfunden. 1918 liess er auch in der Schweiz seine Erfindung eines „gezogenen Stahlhelms“ patentieren. Unter der Signatur ZW 2E/26a-083867 findet man den Text der Patentschrift im Staatsarchiv des Kantons St.Gallen. Darin heisst es: Das Bestreben, Helme aus Eisen herzustellen, um volle Sicherheit gegen Granatsplitter zu erhalten, hat zur Herstellung von Helmen aus gewöhnlichem Stahlblech und aus nicht härtbarem Manganstahlblech geführt, ohne dass die Aufgabe gelöst worden ist. Die Schwierigkeit liegt darin, dass eine ganze Anzahl von Bedingungen sowohl für die Herstellung, wie für die Anwendung des Helmes gleichzeitig erfüllt sein sollten. Diese Bedingungen betreffen Aufgaben einerseits der Festigkeit und des Gewichtes und anderseits der Raumgestaltung. Für die Anwendung wäre eine möglichste Ausdehnung der Helmflächen auf alle zu schützenden Kopfteile, genügende Stärke gegen Geschosswirkungen und zugleich geringes Gewicht zu fordern. Für die Herstellung wäre erwünscht, dass der ganze Helm aus einem Stücke Blech im Ziehverfahren seine Raumform erhält. Anderseits wäre zur Erreichung eines geringen Gewichtes eine geringe Wandstärke und deshalb die Verwendung von härtbaren Stahlsorten wünschenswert. Diese Stahlsorten aber bieten zum Teil dem Ziehverfahren, namentlich wenn der Helm ausser dem Kopfstücke noch einen Augenschirm und einen Nackenschutz haben sollte, erhebliche Schwierigkeiten infolge ihrer grossen Festigkeit (80 kg mm2) schon im ausgeglühten Zustande.

Vielfältige Versuche haben ergeben, dass gewisse Stahlsorten eine genügende Formbarkeit besitzen, um zu einer Helmform gezogen werden zu können. Gegenstand vorliegender Erfindung ist nun ein gezogener Helm, welcher den erwähnten Bedingungen wenigstens insofern Rechnung trägt, als derselbe durch Ziehen in einem Stücke hergestellt ist und aus gehärtetem Stahl besteht. Die Herstellung aus einem Stücke hat dabei den Vorteil, dass die Schutzwirkung durch Vermeidung vorstehender Nähte oder Nieten etc., welche den Geschossen besondere Angriffsflächen bieten, erhöht, also das Abprallen begünstigt wird. 

Übrigens: Die oben zitierte Patentschrift für die Stahlhelme findet sich in der Rubrik „Herstellung und Ausstattung der Hüte und anderer Kopfbedeckungen (Helme, Mützen, Strohhüte u. dgl.)“. Patentiert wurde in diesen Jahren unter anderem auch eine „Schutzeinrichtung an Hüten zur Verhütung der Beschädigung derselben durch Hutnadeln“ (1911).

Der Regierungsrat befasste sich aber nicht nur mit der möglicherweise bald darbenden Hutindustrie, sondern auch mit folgenden Themen:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und ZW 2E/26a-083867 (Beitragsbild aus zitierter Patentschrift)

Zur Entwicklung der Uniformen der Schweizer Armee vgl. den Artikel im e-HLS: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8586.php

Hinweis zu Friedrich Schwerd: Er gehörte 1933 zu den Mitunterzeichnern des sogenannten Bekenntnisses der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und zum nationalsozialistischen Staat.

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