Freitag, 1. Dezember 1916 – Die Artistenfamilie Nock logiert im Hotel Bahnhof in Gossau

Oben: Seiltänzer auf einem Bild von Eugen Blondin, 1897.

Am 1. Dezember 1916 findet man im Fremdenbuch des Hotels Bahnhof in Gossau folgende Gäste eingetragen:

Fremdenbuch

Beim Cinematographenbesitzer Nok Vater und seinem Sohn Nok Carl handelte es sich um Mitglieder der aus Baden-Württemberg stammenden Artistenfamilie Nock. Diese Familie verbindet man weniger mit dem Kanton St.Gallen als die Zirkusfamilie Knie, welche in Rapperswil ansässig ist.

Wohnwagen

Eugen Blondin (1871-1960), der Maler der Beitragsbilder, war der Sohn von Henri Eugen und Nina Blondin-Knie (1844-1916, Schwester von Ludwig Knie-Heim). Zunächst wie seine Eltern als Zirkuskünstler tätig, ging er ab 1887 bei einem Deokorationsmaler in die Lehre. Nach mehreren Jahren der Wanderschaft erhielt er 1900 eine Anstellung in der Firma Reinwald in Stuttgart, wo er nebenberuflich zusätzlich mehrere Semester an der Kunstgewerbeschule studierte. 1912-1914 war er als Gehilfe des Professors Cissarz, dem Vorstand der grafischen Abteilung der Stuttgarter Kunstgewerbeschule, tätig. Nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit konnte er 1915 wieder bei Reinwald eintreten. 1917 zog man ihn in den Landsturm ein. Nach Kriegsende war er nochmals zwei Jahre bei Reinwald angestellt. Ab 1921 wohnte Blondin in der Schweiz, wo er bis Anfang der 1930er Jahre im Zirkus Knie den Kassierdienst versah. Danach arbeitete er wieder als Dekorationsmaler.

Unterschrift Blondin

1897 malte er ein Bild (s. Ausschnitte oben), das die Grössenverhältnisse zwischen Zirkusartisten, Arbeitern und einzelnen Maschinenteilen des englischen Schnelldampfers Lucania darstellt. Die Lucania war bis 1897 das weltgrösste Schiff und mit dem Blauen Band ausgezeichnet. Letzteres wurde an Passagierschiffe vergeben, welche einen Schelligkeitsrekord bei der Überquerung des nördlichen Atlantik aufgestellt hatten:

Bild

Es ist das bisher einzige Bild im Staatsarchiv St.Gallen, welches Leben und Arbeiten von Zirkusartisten illustriert.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 037 (Auszug aus dem Fremdenbuch des Hotels Bahnhof in Gossau) und W 236 (Bild von Eugen Blondin, 1893)

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