Oberbueren

Sonntag, 7. Januar 1917 – Verspätete Dreikönigspredigt und Theater im „Rössli“

Tagebucheintrag von Johann Baptist Thürlemann (1852-1939):

Sonntag den 7. Januar 1917, sehr kalter, etwas wolkiger Morgen. Starker Reif; hart gefroren. Tagsüber zeitweilig sonnig; öfters düster bewölkt. Nachmittag ziemlich hell. Der ganze Tag war rauh & kalt; es herrschte ein sehr scharfer, kalter Nordwind.  Man musste 2 Mal einheizen. – Abend ziemlich bedeckt; Nacht klar, mondhell & sehr kalt. Gegen Morgen bedeckt. –

Heute wurde das aufgehobene Fest der Hl. Dreikönige gefeiert. –

Morge[n]s nach dem Kaffee machte ich in meinem Schlafzimmer Sonntagstoilette. (Rasieren). – 8-9 Uhr.

Von 9 Uhr bis 3/4 11 Uhr vormittags wohnte ich dem Gottesdienste in der Kirche bei. Zuerst gesungenes Asperges ; Hernach Amt (: mit Rauchwerk: ). –

Nach dem Evangelium Predigt über den Text:

„Gehet hin und forschet genau nach dem Kinde, und wenn ihr es gefunden habet, so zeiget es mir an, damit auch ich komme, es anzubeten!“ Matthäus, 2. Cap. 8. V.

Die Hl. Dreikönige wurden durch den Stern im Morgenlande zu Jesus berufen & sie eilten den Weltheiland zu sehen, zu erkennen & der Erlösung durch ihn theilhaftig zu werden.

Durch die Hl. Dreikonige [sic] hat sich Christus auch uns als der erwartete Messias kund gegeben und daher wurde das Fest der Erscheinung des Herrn, die Epiphania Domini schon in den frühesten Zeiten festlich begangen.

Wir sollen uns dieser Offenbarung innig freuen und nicht wie Herodes & die Juden voll Schrecken & Furcht über den neugeborenen König ??? von ihm uns abwenden.

Das neugeborene Kind in der Krippe beseligte die Hl. Dreikönige, erfüllte aber Herodes & Jerusalem mit Angst & Besorgnis, daher die Feindschaft gegen diesen König der Juden & die Anschläge des Herodes gegen dasselbe.

1. Thl. Der zitternde Herodes, trotz seiner Macht.

2. Thl. Der überlistete Herodes trotz seiner Schlauheit!

3. Thl. Der besiegte Herodes, trotz seiner heimtückischen Anschläge. 

1. Charakter des Herodes & seiner 40-jährigen Regierung.

2. Der heuchlerische, scheinheilige Mann, voll Ehrsucht & Herrschsucht.

3. Der grausame, blutdürstige Verbrecher, der vor keinem Mittel zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen, der aber vor der Weisheit & Allmacht Gottes zu Schanden wird. –

Sehr schöne, beschreibende & charakterisierende Predigt. –

Hernach Verkündung des Wochenkalender & der Gottesdienstordnung. Friedensgebet & 5 Vater Unser.

Fortsetzung des Amtes vom Credo an. Opfer für die afrikanische & inländische Mission.

Am Schlusse Grabbesuch mit Ludwig. Wir kehrten gemeinsam nach Hause [zurück]. Bald nach 11 Uhr speisten wir zu Mittag.

Von 1h bis 1/2 2 Uhr nachmittags wohnte Caroline dem Gottesdienste wieder bei ( : Rosenkranz, Allerheiligenlitanei & Te Deum – Dreikönigswasser und Salzweihe. Ich liess ebenfalls eine Schale Salz in die Kirche bringen.

Den Nachmittag & Abend brachte ich zu Hause mit Lektüre zu. 

Im „Rössli“ dahier spielte wieder der Jünglingsverein Theater, von 3h bis 7 1/4 Uhr. – Der Besuch soll ein starker gewesen sein.

Um 1/2 10 Uhr begab ich mich zu Bette.

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Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, Wy 035b (Familie Thürlemann zum Hirschen, Tagebücher von Architekt Johann Baptist Thürlemann, 1852-1939) und ZOA 008/1.014 (Oberbüren, 3.10.1907, Fotografie von Johann Baptist Thürlemann)

 

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