Briefkopf, Ausschnitt, 1916

Sonntag, 11. Februar 1917 – Kohlennot

[…] die Kohlennot ist so gross, dass das Gaswerk allen Abonnenten den Gasverbrauch vorschreibt. Die Reduktion ist so beträchtlich, dass Alles wieder die alten Petrollampen hervorholt. – Eine Freude ists, dass auch die Wirtschaften früher schliessen müssen.

Hedwig Haller (1884-1963), aus deren Tagebuch das obige Zitat stammt, wuchs am St.Galler Marktplatz auf. Dort betrieb ihr Vater eine Flaschnerei (Spenglerei). Die aus Württemberg stammende Familie war 1886 eingebürgert worden. Hedwig hatte den „Talhof“ besucht und arbeitete als Telefonistin in der St.Galler Hauptpost.

Der Beruf der Telefonistin, resp. der Telegraphistin, entwickelte sich ab 1870 zu einem reinen Frauenberuf. Es war eine der wenigen schicklichen Erwerbstätigkeiten, die Frauen zu dieser Zeit überhaupt ergreifen konnten. Verdienen konnte man damit allerdings nicht viel: Die Frauen wurden „als Hilfskräfte eingestellt und entlöhnt“. In einer 1992 erschienenen Dissertation heisst es: „Trotz Anstrengungen der PTT seit 1986 wegen Personalmangels auch Männer als Telefonisten einzustellen, arbeiten heute erst sehr wenige Männer in diesem ‚Beruf mit Zukunft‘.“ (Zitate aus: Bühlmann, Yvonne und Zatti, Kathrin. „Sanft wie eine Taube, klug wie eine Schlange und verschwiegen wie ein Grab …“. Frauen im schweizerischen Telegrafen- und Telefonwesen 1870-1914, Zürich 1992, S. 33)

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Quellen: Privatbesitz (Tagebuch Haller, Transkription und Hinweis zur Autorin: Markus Kaiser) und Staatsarchiv St.Gallen, ZMH 43/005a (Beitragsbild: Ausschnitt aus Briefkopf der Kohlenhandlung Josef Anton Ackermann aus Mels, 1913)

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