Maigloeckchen

Montag, 30. April 1917 – Allerliebste Frau und allerherzlichste Grüsse

Château d’Oex, 30. April 1917.

Allerliebste Frau!

Herzlichen Dank für die Wäsche, u. für Deinen letzten Bericht. Bald ist die Hälfte meines Dienstes um, u. die zweite wird schneller gehen. Inzwischen sehen wir uns ja. Gestern stieg ich bis in die Nähe von Montreux hinunter, wo die Vegetation viel weiter ist. Hier hingegen sah ich eben vom Bureau aus eine schöne Lawine herunterfahren. Sonst haben wir jetzt schönes Wetter; aber alles ist hier eben sehr zurück.

Eigentlich verträgt sich so ein Dienst doch recht schlecht mit dem Künstlerischen. Es ist zusehr [sic] eine Rückkehr zum Alten statt ein Vorwärtsgehen. Sonst geht es mit gut; natürlich ist es eigentlich langweilig. Aber wenn ich sehe, was für seelisches Unheil, eine Art Verblödung, die lange Gefangenschaft bei den Offizieren u. Soldaten bewirkt hat, bin ich mit meinem Schicksal hier noch sehr zufrieden.

Wenn ich nur wüsste, womit am 1. Juni den Zins bei der Kantonalbank zahlen!

Hoffentlich kommst Du alllmälig [sic] mit dem Mägdewechsel zurecht. Ich bin froh, wenn das vorüber ist u. man reinen Tisch hat.

Allerherzlichste Grüsse, auch an die Kindlein, von denen ich gerne wieder weiteres [sic] höre.

Dein treuer

Franz

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Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 106 (Korrespondenz Franz Beda Riklin an seine Ehefrau) und ZOA 001/3.13 (Beitragsbild, ca. 1898)

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