Linolschnitt Oberkirch

Donnerstag, 12. Juli 1917 – Sommer-(Fuss)reisen der Schüler von Hof Oberkirch (Teil 1)

Die Pädagogen des Landerziehungsheims Hof Oberkirch bei Kaltbrunn waren geprägt von der Wandervogelbewegung. Sie ermöglichten auch ihren Schülern entsprechende Erfahrungen, von denen in der Schulchronik berichtet wird. 1917, mitten im Krieg, durften drei Klassen auf Tour gehen. Hier der Bericht der Jüngsten von ihnen:

12.7.17.

Die Ferienreisen.

Nun hatten uns die Eltern doch erlaubt, eine Sommerreise zu Machen. Am 7ten Juli zogen wir fort. Da ich die Reise der Siebner und 8ter nicht mitgemacht habe, lasse ih ihre Residenten sprechen.

Röbeli Straub gab das Amt zu erzählen dem Aktuar Hasenfratz. Der berichtet folgendes:

Am Morgen des 12ten Juli fuhren wir fort am See entlang nach Pfäffikon. Von dort aus marschierten wir auf den Etzel, wo wir auf einer Wiese Brot bekamen. Wir gingen von da aus nach Einsiedeln. Besondere[s] Interesse erregte die Kirche. Vor diesem Flecken essen wir kalt zu Mittag. Dann gingen wir durch das Alptal bis zum Fusse des Mieten [sic, gemeint ist der Mythen]. Wir kochten ab und assen zu nacht. Nach[h]er ging’s noch bis zu der Sennhütte zwischen den Mieten; hier suchten wir unser enges Strohlager auf.

Schon um halb 4 Uhr standen wir auf, und bestiegen den Mieten; in halber Höhe sahen wir den Sonnenaufgang. Oben sahen wir sehr weit herum und einer Photographierte [sic]. Nach einer Stunde stiegen wir wieder hinunter, packten und tranken kuhwarme Milch. Nun machten wir die Tour über den Sattel nach Schwyz. Dort rasteten wir und besahen Rathaus und das [Bundesbrief-]Archiv. Alsbald gingen wir gegen die Station Sattel am Übergang zum Agerisee [Ägerisee], und von da nach Morgarten. Hier fassten wir unser Nachtessen, und verzogen uns nach[h]er ins Heu. Am andern Morgen fuhren wir mit dem Dampfschiffchen nach Aegeri, wo wir gegen Zug in die Höllengrotte [Höllgrotte bei Baar ZG] marschierten. Wir wurden von 2 Wächtern in den Höllen herumgeführt und schauten die herrlichen Tropfsteingebilde an. Wir assen an der Lorze zu Mittag und dann waren wir rasch in Zug. Hier badeten wir, dann fuhren wir auf den Hof zurück.

Für die 8ter

Aktuar Hasenfratz.

Verfolgt man die Route auf einer Karte, so kann man nachvollziehen, dass die gut vierzehnjährigen Knaben in den drei Tagen fast 70 km zu Fuss marschiert waren. Die einzelnen, beschriebenen Streckenabschnitte sind zu Fuss in jeweils zwei bis drei Stunden zurückzulegen.

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Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 127 (Hofchronik 1915-1921 und Hof-Zeitung 1914/15, Linolschnitt von Oskar Türler)

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