Deutscher Gefechtsstand

Samstag, 11. August 1917 – Kriegs-tagebuch aus deutscher Sicht

Im Nachlass des St.Galler Historikers Hermann Wartmann (1835-1929) findet sich eine Reihe schmaler Hefte mit dem Titel Kriegschronik. Aus deutscher Perspektive wurde darin monatlich der Stand der Dinge festgehalten und kommentiert. Die Ausgabe der Kriegschronik für den August 1917 befasste sich unter anderem mit der auf den 1. August datierten päpstlichen Friedensnote An die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker. Abgedruckt sind in der Kriegschronik zudem Briefe deutscher Soldaten, eine Chronik über die täglichen Kriegsereignisse, Reden von Politikern, aber auch allgemein gehaltene Beiträge wie z.B. Drei Kriegsjahre in Zahlen oder Was versinkt mit einem Schiff?

Der Anfang des letztgenannten Beitrags lautet: Mit dem Begriff „Registertonnen“ vermag der Laie nichts Rechtes anzufangen. Leichter verständlich klingt ihm schon die Nachricht, soundso viel tausend Tonnen Getreide oder Kohlen wären versenkt. Greifen wir aus der Fülle unserer täglichen U-Boots-Erfolge einige Beispiele heraus! Unter dem 6. Juli wurde der bewaffnete englische Dampfer „Saxon Monarch“ mit 7000 Tonnen Weizen als versenkt gemeldet. Was bedeuten 7000 Tonnen Weizen? Mit 7000 Tonnen Weizen oder Roggen versorgt sich heute eine Stadt wie Frankfurt a.M., mit 425 000 Einwohnern, mindestens 10 Wochen lang mit Brot!

Ereignisgeschichtlich listete das Kriegstagebuch für die Tage vom 9. bis zum 11. August folgende Erfolge auf. Misserfolge wurden keine gemeldet:

9. August.

Westen: Starke englische Infanterieangriffe östlich und südöstlich Ypern zwischen Bahn Ypern-Roulers und Hollebeke gescheitert. – Die Engländer zwischen Strasse Monchy-Pelbes und Strasse Arras-Cambrai abgeschlagen.

Osten:  Südöstlich Czernowitz Eindringen in die Grenzstellung der Russen. – Zwischen Trotus- und Putnatal südlich Heerestrau rumänischen Höhenstellungen erstürmt. Zu beiden Seiten der Bahn Focsani-Ajudulnou der Übergang über die Susita von den Verbündeten erzwungen.

10. August.

Westen: Die Engländer beiderseits der Bahn Bösinghe-Langemarck abgewiesen. – Grabenstücke am Hochberg den Franzosen entrissen.

Osten: Der Russe am Slanic- und Ojtoztal ostwärts geworfen; Höhen am Mt. Cleja und Mgr. Casinului genommen. Schwere russische Blutopfer bei 7 Anstürmen gegen unsere Susitastellung.

11. August.

Westen: Ein englischer Angriffe bei Hollebeke und ein französischer bei Cerny abgewiesen.

Osten: Südlich des Trotosultales Höhenstellungen und Dorf Grozesci von verbündeten Truppen erkämpft.

England: Deutscher Flugzeugangriff auf Southend und Margate.

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Quelle: Wy 135 (Nachlass Hartmann, Kriegschronik Monat August 1917, Texte und Bilder)

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