Kriegsbrot

Donnerstag, 25. Oktober 1917 – Ferienverlängerung wegen Kohlennot

Die Herbstferien in Hof Oberkirch waren um vier Tage verlängert worden – Kohleknappheit führte dazu, dass in diesem Winter die Schulzeit für viele Schülerinnen und Schüler kürzer, resp. die Ferienzeit länger ausfiel: Da, ein Schreiben vom Hof, Ferienverlängerung, 4 Tage, bis am 29. Oktober. Hurra!!! wer wol[l]te sich da nicht freuen?, heisst es in der Schulchronik.

Am 29. Oktober war die Gnadenfrist jedoch abgelaufen, die Schüler wurden in Kaltbrunn erwartet:

20. Oktober 17. Trotz des wiederholt reduzierten Fahrplans rücken die Meisten [sic] mit den 5 Uhrzügen ein. Nur Cathomas, [Carl] Bois de Chaisne [eigentlich Bois de Chesne], Brandenberger, Schoop und Grieder, der zugleich ausgetreten, waren wegen Krankheit verhindert. Auch Kaspar fehlte. Dagegen erschien Alfons Haase, der seinen Abschied vom Hof schon gefeiert mit 2 Brüdern Mario und Erwin Haase. Also mit 3 Haasen wurde der Hof beglückt. [Hinweis: Die Schüler hielten verschiedene Haustiere auf dem Hof, zeitweise sogar ein Reh.]

Niki ist der Abschied vom Mutti besonders schwer gefallen, denn er konnte sich der Tränen nicht enthalten. Viel freudiger rückte Hugo Raichle ein, den[n] er will mit siner Brille eindruckschinden [sic].

In der Versammlung berichtete Herr Tobler über die Einschränkung des Heizens. Denn es wurde dem Hof Kohle zugeteilt, mit welcher er den kommenden Winter durchschlagen muss. Die obersten 2 Stockwerke werden gar nicht geheizt. Ferner das Naturkunde-[,] Blaue- und Mathematikzimmer nicht. Schule wird im Zeichnungs-[,] Studien- und in den beiden Essälen gehalten. Nicht nur dies gab uns der noch immer tobende Krieg zu spüren, sondern 2 der Lehrer[,] Herr Schlegel [Lehrer für Mathematik, Feldmessen und Buchhaltung] und Herr Dr. Rebmann [Lehrer für Latein, Geschichte und Geografie] sind im Dienst.

Lehrer und Schüler des Landerziehungsheims gruben in dieser Zeit in der Umgebung des Hofs auch selber nach Kohle (Bericht dazu im Beitrag zum 4. März 1917). Die nachstehende Foto von Kurt Bäbler wurde in der Hof-Zeitung vom April 1919 mit der Legende Unsere Kohlengräber 1918/19 publiziert:

Kohlengraeber Oberkirch

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Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 127 (Schulchronik 1915-1921; Beitragsbild in: Hof-Zeitung, Nr. 11, Dezember 1917, Linolschnitt mit dem Titel „Kriegsbrot“ von Primarschüler Ulrich Schoop; Foto von Kurt Bäbler aus Album „Lehrer und Schüler auf dem Hof Oberkirch“)

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