Metzgerei und Schulhaus in Rheineck

Samstag, 24. November 1917 – Kochen unter Kriegsumständen

Die Monatsbeilage zur Rorschacher Zeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 24. November Menuvorschläge:

Reisfleisch½ Kilogramm Kalbfleisch, 200 Gramm Reis, der Saft von einer halben Zitrone, Salz, 1½ Liter Wasser, 1 Esslöffel Fett, 1 gehackte Zwiebel.

Das Kalbfleisch wird in kleine Würfel geschnitten, der Reis wird erlesen und gut gewaschen. Fett und Zwiebeln werden miteinander gedünstet, das Fleisch wird beigegeben, gesalzen und einige Minuten geröstet. Dann wer[d]en Salz, Wasser, Reis und Zitronensaft beigegeben und die Speise zugedeckt auf schwachem Feuer 1½ Stunden gedünstet. Wird das Gericht im Selbstkocher zubereitet, muss es 25 Minuten auf dem Feuer gedämpft und 3-4 Stunden in den Kocher gestellt werden.

Weisse Bohnen. 750 Gramm weisse Bohnen, 2½ Liter Wasser, Salz, 1 Esslöffel Fett, 2 gehackte Zwiebeln, 1 Esslöffel Mehl, 2 Esslöffel Essig.

Die Bohnen werden erlesen und einige Stunden in lauwarmes Wasser eingeweicht. Die Zwiebeln und das Mehl werden im Fett gedünstet, die Bohnen werden mit dem Einweichwasser beigegeben und noch so viel Wasser zugefügt, bis die Bohnen damit gedeckt sind. Sie werden 2½ Stunden weich gekocht, kurze Zeit vor dem Anrichten werden Essig und Salz beigegeben. Bei der Zubereitung im Selbstkocher werden die Bohnen ½ Stunde auf dem Feuer gekocht und 2-4 Stunden in den Kocher gestellt.

Saure Kartoffeln. 1½ Kilogramm Kartoffeln, Salzwasser, 1 Esslöffel Fett, 1½ Esslöffel Mehl ,1 gehackte Zwiebel, 3 Esslöffel Essig, 2 Tassen Wasser.

Die zugerüsteten Kartoffeln werden in Scheibchen geschnitten, im Salzwasser weichgekocht und auf ein Sieb angerichtet. (Das Wasser wird zu einer Suppe verwendet.) Fett, Zwiebeln und Mehl werden hellbraun geröstet und mit dem Wasser und dem Essig abgelöscht. Die Sauce wird gesalzen und einige Minuten gekocht. Hierauf werden die Kartoffelscheibchen beigegeben und noch einige Minuten mit der Sauce gekocht.

Dörrobst. 250 g Dörrobst, Wasser, 60 g Zucker.

Das Dörrobst wird gut gewaschen, in lauwarmes Wasser eingeweicht und einige Stunden zugedeckt stehen gelassen[.] Es wird mit dem Einweichwasser auf das Feuer gestellt, 10 Minuten vorgekocht und 2 Std. in den Selbstkocher gestellt. Das Obst wird angerichtet und mit dem Zucker vermengt. Wenn es an Zucker mangelt, werden 3-4 Tabletten Saccharin [synthetischer Zuckerersatzstoff] im Wasser aufgelöst und mit dem Obst vermischt. Das Saccharin darf nicht mitgekocht werden.

Bei dem in den Rezepten erwähnten Selbstkocher handelte es sich im Wesentlichen um ein gut isoliertes Behältnis, in dem die Speisen in ihrer eigenen Wärme ohne zusätzlichen Brennstoffverbrauch garen konnten. Erfinderin des Selbstkochers ist die Wattwilerin Susanna Müller, vor allem bekannt wegen ihres Longsellers „Das fleissige Hausmütterchen“. Das Toggenburger Museum in Lichtensteig besitzt ein Originalexemplar eines Selbstkochers, vgl. http://www.tagblatt.ch/ostschweiz-am-sonntag/leben/Kleinod-der-Kueche;art304178,4608472 (Bild Nr. 3 im Artikel).

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Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, P 913A (Text: Rorschacher Blätter zur Unterhaltung und Belehrung, Gratisbeilage zur Rorschacher Zeitung, Nr. 7, 1917, 24.11.1917) und W 238/02.14-28 (Ansichtskarte: Rheineck, 1911)

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