Montag, 2. Oktober 1916 – Kantischüler dürfen im Winter später zur Schule

2. Oktober 16.

An Herrn Pfarrer E. Brunner u. Kons. in Niederuzwil.

Sehr geehrte Herren!

Mit Schreiben vom 14. Sept. l.J. richten Sie an die Oberbehörde eine Eingabe über den Schulanfang an der Kantonsschule St.Gallen im kommenden Winter.

Sie haben vernommen, dass an der gesamten Lehranstalt im nächsten Winter nicht wie sonst der Schulunterricht um 8 Uhr morgens, sondern schon um halb 8 Uhr beginnen soll. Gegen diese Neuerung möchten Sie im Interesse der Schüler, die vom Lande her täglich mit der Eisenbahn in die Stadt und wieder heimfahren entschiedene Stellung nehmen u. hoffen Sie dabei auf unsere Unterstützung.

Wir sind nun in der angenehmen Lage, Sie darüber beruhigen zu können. Die Änderung gegenüber früher wird nämlich nur darin bestehen, dass derjenige Unterricht, der bisher im Winter um 7 Uhr begonnen hat, kommenden Winter um halb 8 Uhr beginnt, also nur wenige Stunden und in wenigen Fächern; die Hauptzahl der Lehrstunden aber, die bisher um 8 Uhr begonnen haben, sollen erst um 8 Uhr 20 Min. anfangen. Als allfälliges Wartezimmer haben wir den grossen Raum der Stoa in der Kantonsschule schön einrichten lassen und soll deren Benützung gut geordnet werden.

Der Verfasser des Stundenplanes, Herr Prof. Dr. Wanner, wird sich alle erdenkliche Mühe geben, den Stundenplan mit Rücksicht auf die auswärts wohnenden Kantonsschüler in gedachter Weise durchwegs zu verbessern. Vereinzelte Ausnahmen werden nur dann stattfinden, wo keine auswärtigen Schüler betroffen werden oder wo alle Schüler, also auch auswärtige, in einer Klasse oder Klassen-Abteilung erklären, sie wollen lieber eine betreffende frühe Rand-Stunde Unterricht am Morgen als eine späte dieser Art am Abend.

Nach Ablauf der bevorstehenden Herbstferien werden die Schüler den Winterstundenplan erhalten, der ihnen wie auch den Eltern besser entsprechen dürfte als der Unterrichtsplan in den verflossenen Wintersemestern der letzten Schuljahre.

Hochachtend,

Im Namen der Studienkommission,

Der Präsident:

HScherrer [Unterschrift]

Der Sekretär:

D. Dütschler.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, KA R.130 B 2 (Schreiben des Erziehungsrates betreffend morgendlichem Schulstart an der Kantonsschule) und ZMA 18/01.04-06 (Bahnhofareal in St.Gallen, Blick auf den Gaiserbahnhof [heute Appenzeller Bahn], Bahnhof und Postgebäude; Ansichtskarte, Edition Photoglob, Zürich, q 31216)

Dienstag, 30. Mai 1916 – Schul-, Elektrizitäts- und Auswande-rungsgeschichten im Regierungs-rat

In ihrer Sitzung vom 30. Mai behandelte die Regierung eine ganze Reihe Traktanden aus dem Schulbereich. Es ging dabei um Nachhilfestunden (Nr. 1296), eine Anerkennungsgabe für fünfzigjährigen Schuldienst (Nr. 1297), Bundessubventionen für die öffentlichen Primarschulen (Nr. 1298) und Staatsbeiträge an das Sekundarschulhaus in Wattwil (Nr. 1299), die Schulgemeinde Bütschwil (Nr. 1300) und die evangelische Schulgemeinde Kappel (Nr. 1301).

 Über mehrere Seiten im Protokollband hinweg zieht sich auch der Fall des 1915 in Uganda (damals Britisch-Ostafrika) verstorbenen Gamser Bürgers und Plantagenbesitzers Ernst Lenherr-Stadelmann (Nr. 1303). Ausserdem befasste sich der Regierungsrat mit dem Elektrizitätswerk am Rheintaler Binnenkanal (Nr. 1321) und folgenden Themen:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte)  und B 001/6-1.5-10 (Bild, ca. 1890-1905)

Oberbüren 1915

Dienstag, 23. Mai 1916 – Rekurs gegen Schulratswahlen in Oberbüren

Die Schulgemeinden Oberbüren und Sonnental waren zusammengelegt worden (vgl. Nr. 1243). Die dadurch nötige Wahl des Schulratspräsidenten wie auch eines fünften Mitglieds des Gremiums verlief nach Ansicht des Departements des Innern nicht korrekt. Dagegen wehrten sich die Schulratsmitglieder. Nach eingehender Prüfung des Sachverhalts beschloss der Regierungsrat:

Es sei die Verhandlung des Wahlbureaus der Schulgemeinde Oberbüren vom 14. dieses Monats betreffend Losziehung für die Wahl des fünften Schulratsmitgliedes wegen formeller Verletzung der Vorschrift des Art. 30 des Gesetzes betreffend Volkswahlen und Volksabstimmungen kassiert und das Wahlbureau zur nochmaligen Vornahme der Verhandlung in gesetzlicher Form beauftragt.

Ausserdem befasste sich der Regierungsrat in seiner Sitzung vom 23. Mai mit folgenden Themen:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und W 238-/9.09-04 (Ansichtskarte von Oberbüren der Kunstanstalt J. C. Müller in Zürich nach einer Lithografie von August M. Bächtiger, 1915)

Gewerbeschule St.Gallen mit uniformierten Schülern

Montag, 15. Mai 1916 – Auch die Regierung tagt

Nicht nur der Kantonsrat tagte am 15. Mai, sondern auch der Regierungsrat. Er behandelte in zwei Sitzungsteilen eine ganze Reihe von Geschäften. Insbesondere diskutierte er über das kaufmännische und das gewerbliche Fortbildungswesen (Nrn. 1179 und 1180), aber auch über den Werkunterricht für Knaben in der Volksschule: Die Vorurteile, denen der Handfertigkeitsunterricht anfänglich so mannigfach ausgesetzt war, gehen sichtbar zurück, und es mehren sich die Reihen derer, die in der Knabenhandarbeit eine wertvolle Ergänzung des allgemeinen Schulunterrichtes erblicken. Von den Schulen, die bereits im Jahre 1913/14 den Handfertigkeitsunterricht in nennenswertem Umfange betrieben, haben denselben seither nur Rorschach, Rheineck, Wartau, Uznach und Rossreute noch nicht wieder aufgenommen. (Nr. 1181) Ebenso waren die freiwilligen hauswirtschaftlichen Kurse Thema regierungsrätlicher Beratungen (Nr. 1182).

Ausserdem befasste sich der Rat mit den Kommunalberichten zu den Gemeinden Tablat und Gams (Nr. 1183 und Nr. 1184), die das eine oder andere zu beanstanden gaben:

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und W 238/01.02-02 (Auszug aus einer Ansichtskarte: Gewerbeschulhaus St.Gallen mit uniformierten Schülern, ca. 1913)

 

Mittwoch, 10. Mai 1916 – Mit vollem Einsatz: Fussballspielen im Hof Oberkirch in Kaltbrunn

Das Landerziehungsheim Hof Oberkirch in Kaltbrunn war eine von verschiedenen reformpädagogischen Schulen mit Internatsbetrieb, die in der Schweiz zwischen 1900 und 1930 eröffnet wurden.

Heute endlich war der grosse Tag. Der kleine, nunmehr vergrösserte flotte Fussballplatz wurde eingeweiht. In guter Marschordnung kamen die Mitglieder des Fussballklubs auf den Platz, wo sie lebhaft begrüsst wurden. „Tschicco“ trommelte aus Leibeskräften, allerdings nicht ganz im Takt, was aber der allgemeinen Begeisterung keine Einbusse tat. Der Präses hielt eine Rede. Hierauf gab es verschiedene Matches. Auch die Nichtfussballer zeigten ihr Können in zwei Wettspielen zum Vergnügen Aller. Es gab dann einen gemütlichen Vesper, nachher verschiedene Spiele und zum Schluss ein lustiges, erfrischendes Bad [im schuleigenen Swimmingpool].

Fussballspielen

Die Bilder stammen aus einem Fotoalbum im Archivbestand zum Hof Oberkirch. Durch das Aufkleben haben die Fotos im Lauf der Zeit Schaden genommen, so dass sie heute alle leicht gewellt sind (vgl. glänzende Stellen) und deshalb nicht mehr optimal eingescannt werden können.

Quelle: Staatsarchiv St.Gallen, W 127 (Hof-Zeitung, herausgegeben im Land-Erziehungsheim Hof Oberkirch unter der Leitung von Anton Blöchlinger, Nr. 7, Juli 1916, Auszug aus der Trimesterchronik, April-Juli 1916, S. 12; Fotoalbum)