Kneippanstalt Krähenmann, Risegg, Gemeinde Thal

Samstag, 8. September 1917 – Unglück im Steinbruch

Neuestes und Telegramme.

Unfall in den Steinbrüchen ob Buchen.

Staad, 8. Sept. * [sic] Gestern nachmittag ging eine Frau aus Rorschach mit ihrem sechsjährigen Knäblein Beeren suchen bei den Steinbrüchen ob Buchen. Eben hatten sie noch den Kleinen gemahnt, doch vorsichtig zu sein und schnell nachher fiel er über eine zirka zwölf Meter hohe Felswand. Wider Erwarten lebte das Kind noch, hatte aber einen Schenkelbruch, eine Wunde an der Stirne, und klagte über Schmerzen in der Brust. Herr Dr. Krähenmann, Risegg, legte dem Verunglückten einen Notverband an und zwei Männer trugen den Patienten auf einer Tragbahre ins Krankenhaus Heiden. – Ob sich nichts machen liesse zur Verminderung der Absturzgefahr in diesem Steinbruchgebiet?

Das Kurhaus Risegg präsentierte sich zur Zeit des Ersten Weltkriegs folgendermassen. Offenbar hatte man den auf dem Beitragsbild von ca. 1899 zu sehenden Laubenanbau in der Zwischenzeit durch ein festes Gebäude ersetzt :

Risegg, ca. 1910

Nächster Beitrag: 11. September 1917 (erscheint am 11. September 2017)

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, P 913 (Rorschacher Zeitung, Nr. 209, 08.09.1917) sowie W 238/02.13-11 (Ausschnitt aus Ansichtskarte aus dem Verlag von U. Rhomberg, Fotograf, St.Fiden, ca. 1910) und W 238/02.13-08 (Beitragsbild, Ausschnitt aus Ansichtskarte des Verlags Gebrüder Weigmann, St.Gallen, C.B. 2027, ca. 1899)

Fussbodenlack

Samstag, 16. Dezember 1916 – Gewichste Treppen und ihre Folgen

Der Regierungsrat hatte sich in seiner Sitzung viel zu tun. Das Protokoll umfasst über 45 Seiten üblicher Geschäfte. Am ehesten fällt noch die Bewilligung einer Unfallentschädigung an einen Polizisten auf. Der Landjäger hatte sich infolge Ausgleitens auf einer gewichsten Treppe einen Rippenbruch zugezogen (Nr. 2888). Ausserdem sollte ab Januar 1917 im regierungsrätlichen Lesezimmer neben den üblichen Abonnements zusätzlich das Obertoggenburger Wochenblatt aus Nesslau, der Bezirksanzeiger Untertoggenburg aus Flawil und der Bezirksanzeiger Neutoggenburg aus Lichtensteig aufgelegt sein (Nr. 2917). Sämtliche Geschäfte lassen sich hier nachlesen:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte)

Schloss Oberberg bei Gossau, 1911

Donnerstag, 25. Mai 1916 – Fresken in Schloss Oberberg, Linth-Escher-Feier in Walenstadt, eine Mostausstellung in Flums und ein tödlicher Velounfall

* Gossau. Schloss Oberberg. Die in verschiedenen Blättern erschienene Notiz von der Aufdeckung bedeutender alter Freskomalereien im Schloss Oberberg bei Gossau scheint sich zu bewahrheiten. Dank der Bemühungen des Restaurateurs ist es gelungen, die Freskomalereien teilweise freizulegen. Dieselben sind aber derart unvollständig, dass es wohl schwer sein wird, sie für die Zukunft wertvoll zu gestalten. Im gleichen Schlosse sind unter alten Tapeten vergilbte, aber sonst noch guterhaltene Bruchstücke antiker Schriften zum Vorschein gekommen.

Wallenstadt [sic]. Die für die Schuljugend von Wallenstadt anlässlich des 100. Gedenktages der Eröffnung des Lintkanals in Aussicht genommene Linth-Escher-Feier wurde auf Montag den 29. Mai angesetzt.

Flums. Der landwirtschaftliche Verein Flums gedenkt in nächster Zeit eine lokale Mostausstellung zu veranstalten.

St.Gallenkappel. Ein in Neuhausen bei Schaffhausen wohnhafter Arbeiter namens Eicher, von St.Gallenkappel, fuhr mit seinem Velo an die Arbeit nach Rheinau. Während er in scharfem Tempo die steile Halde gegen die Rheinbrücke hinunter fuhr, muss plötzlich etwas an der Mechanik gefehlt haben oder sonst ein Hindernis eingetreten sein, bei einer Kurve schlug es den Fahrer so unglücklich an die Stützmauer, dass er mit einem schweren Schädelbruch liegen blieb. In den Kantonsspital gebracht, starb er noch gleichen Tages, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, P 907 (Die Ostschweiz, Nr. 122, 25.05.1916, Abendblatt) und W 238/09.12-48 (Ansichtskarte, 1911)

Montag, 15. Mai 1916 – Res sacra miser! Oder: das entsetzliche Kriegstheater

Frühlingssession des Grossen Rates, Auszug aus der Eröffnungsansprache des abtretenden Grossratspräsidenten, Dr. C. Reichenbach, Schulratspräsident von St.Gallen:

Meine Herren Kantonsräte!

Sie werden es mir erlassen, in meinem kurzen Begrüssungsworte auch heute wieder den Blick über die Grenzen unseres Landes hinaus auf das entsetzliche Kriegstheater zu werfen. Etwas Neues ist ja leider nicht zu sagen, und was wir am liebsten hören würden, lässt wohl noch längere Zeit auf sich warten. Auch im eigenen Lande machen sich die Folgen der so stark divergierenden Meinungen noch allzusehr fühlbar, und es hat den Anschein, dass es noch viel ruhigerer Überlegung und gegenseitigen Entgegenkommens bedarf, wenn unser Land aus den Vorkommnissen der letzten Zeit nicht dauernd schweren Schaden leiden soll. Gehen wir nun aber auch mit unsern Sympathien für die einzelnen kriegführenden Mächte zum Teil weit auseinander, so haben wir uns sofort wieder einig gefunden auf einem Gebiet, das unserm Volk und Land zur Ehre gereicht und das allen Schweizern ein willkommenes und geläufiges ist, dem der Nächstenliebe. Res sacra miser! Das Unglück ist eine heilige Sache! In diesem Sinne haben wir die kranken und verwundeten Soldaten ohne Unterschied ihrer Nationalität im ganzen Lande mit offenen Armen empfangen, und wir hoffen, dass sie bei uns ihr schwer erschüttertes geistiges und körperliches Wohlbefinden wieder finden werden. Wo sollten diejenigen, die ihr Bestes, ihr Leben und ihre Gesundheit für das Vaterland geopfert haben, besser aufgehoben sein als da, wo vor mehr als 50 Jahren das „Rote Kreuz“ gegründet worden ist!

Meine Herren Kantonsräte!

Unsere Traktandenliste weist nicht weniger als vier neue Gesetzesvorlagen auf, eine gewiss erhebliche Zahl für die heutigen Zeitverhältnisse. Sie werden uns jedoch in der laufenden Session kaum länger beschäftigen. Dagegen harren das Gesetz über das Unfallversicherungsgericht und dasjenige über die Stadtverschmelzung ihrer Erledigung in der II. Lesung. Was das letztere betrifft, darf gesagt werden, dass die Kommission sich mit gutem Erfolge alle Mühe gegeben hat, zu einem allseitig befriedigenden Resultate zu kommen, und dass man bei allen Parteien redlich bemüht war, die politischen Gesichtspunkte möglichst auszuschalten, um der zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit gewordenen Stadtverschmelzung zum Durchbruch zu verhelfen. Es ist nun zu hoffen, dass auch der Grosse Rat das Werk seiner Kommission sanktionieren und dasselbe die Klippe des Referendums glücklich umschiffen wird.

Den freundlichen Ostergruss, den uns die hohe Regierung in Form eines Finanzprogrammes zugeschickt hat, verdanken wir bestens. Es wird sich zeigen, inwieweit dasselbe vor ihren und des Souveräns Augen Gnade finden wird. Ohne Zweifel bedarf unsere kantonale Finanzlage der ernstesten Aufmerksamkeit und müssen Mittel gesucht werden, aus der Defizitsperiode herauszukommen. Es muss aber dafür gesorgt werden, dass der Weg hiezu ein gangbarer wird, damit es unserm Herrn Finanzminister nicht nach dem französischen Sprichworte geht: “Qui trop embrasse, mal êtraint!“

[…]

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ZA 005 (Grossratsprotokoll) und ZMA 18/01.08-15 (Autounfall in St.Gallen, 1913: Der Grosse Rat diskutierte in seiner Sitzung vom 15. Mai 1916 u.a. über die Einrichtung eines Unfallversicherungsgerichtes)