Heimatschein

Freitag, 20. Oktober 1916 – Wiedereinbürgerung verwitweter Ausländerinnen

Schweizer Frauen, die einen Ausländer heirateten, verloren ihr Bürgerrecht. In Kriegs- und Krisenzeiten hatten sie deshalb kein Recht, in ihr Heimatland zurückzukehren, und dieses fühlte sich auch nicht verpflichtet, ihnen Unterstützung zu gewähren. Erst mit dem Bundesgesetz über Erwerb und Verlust des Schweizerbürgerrechts von 1952 änderten diese Bestimmungen, und Schweizerinnen können seither bei der Heirat ihr Bürgerrecht behalten.

Der Regierungsrat des Kantons St.Gallen hatte in einer Sitzung vom 20. Oktober 1916 gleich über zwei Gesuche von verwitweten, ehemaligen Schweizerinnen zu verhandeln, die ein Gesuch um Wiedereinbürgerung für sich und ihre Kinder gestellt hatten (Nrn. 2394 und 2395).

Heimatschein MuenchFamilienschein Tanner

Ausserdem befasste sich die Regierung mit folgenden Themen:

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und KA R.88-3 (Dokumente zur Wiedereinbürgerung von Katharina Josefa Münch-Güntensperger und Josefa Barbara Tanner-Hofstetter)

Zur Entwicklung der Bürgerrechtsgesetzgebung in der Schweiz vgl. den entsprechenden Beitrag im e-HLS: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8969.php

Freitag, 20. Oktober 1916 – Es schneit …

Tagebucheintrag von Josef Scherrer-Brisig (1891-1965), Sekretär des Schweizerischen Christlichen Textilarbeiterverbands (1910-1916), später Kantonsrat und Nationalrat sowie Mitbegründer der Christlichsozialen Bewegung:

Heute fällt zum erstenmal ausgiebig Schnee, nachdem bereits am Gallustag schon Schnee fiel. Am Gallustag waren die Höhen bis auf Notkersegg herab mit Schnee besetzt. Heute ist das Hochtal der Steinach eine einzige Winterlandschaft. Der Pfadschlitten muss bereits in Funktion treten! Traurig für die armen Leute, die kein Holz haben zum Heizen!

[Berichte über die Sitzung der Rechnungskommission der politischen Gemeinde Tablat, abends um 7 Uhr, und der Vorstandssitzung der Christlich-Sozialen Partei Tablat, abends um Viertel vor neun Uhr]

Auf dem Heimweg von der Sitzung weht ein eisig kalter Nord, die Strassen sind gefroren & ca. 15 cm hoch mit Schnee bedeckt.

Quelle: Staatsarchiv St.Gallen, W 108/1 und P 915 (Anzeige in Rorschacher Zeitung, 24.02.1916)