Samstag, 30. September 1916 – Kino bringt Oberstufenschülerin auf schiefe Bahn

In seiner Sitzung vom 30. September befasste sich der Regierungrat mit folgendem Fall:

Eine Oberstufenschülerin war von zu Hause ausgerissen. Mit dem Auto liess sie sich zum Hotel Bär in Arbon chauffieren und gab sich als „Fräulein Werndorff aus Berlin“ aus. In hochstaplerischer Weise gab sie Telegramme auf, sandte Briefe nach Berlin etc., um so die Hotelleitung zu täuschen. Nach fünf Tagen wechselte sie das Quartier und schrieb sich als „Mitzi Maier“ im Hotel Krone in Rorschach ein. Dort griff die Polizei sie elf Tage nach ihrem Verschwinden von zu Hause auf. Ein vom ersten Staatsanwalte alsdann persönlich vorgenommenes Verhör der Angeschuldigten stellte fest, dass ihre Begangenschaften hauptsächlich auf den Besuch des Kinematographen und die daselbst gezeigten Stücke (Detektiv- und Hochstaplergeschichten) zurückzuführen waren und dass auch die verübten Geldentwendungen [bei Bekannten und Verwandten] der Ermöglichung dieser Besuche dienen mussten. Die ganze Geschichte zieht sich im Protokoll der Regierung unter der Nr. 2218 über fast vier Seiten hinweg:

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Protokoll Regierungsrat), P 909 (St.Galler Tagblatt, Kinoreklame in der Ausgabe vom 30. September 1914)

 

hinterlasse einen Kommentar