Feuerbestattungsverein Mitgliedkarte

Dienstag, 31. Oktober 1916 – Platzmangel auf dem Friedhof: Man lässt sich kremieren

Auch der Tod und das Sterben wollen verwaltet sein. Die Stadt St.Gallen stellte bei der Regierung den Antrag, auf dem Friedhof Feldli eine neue Urnenhalle zu bauen. Der Regierungsrat hielt dazu in seinem Protokoll fest (Nr. 2502): Zur Begründung dieses Gesuches wird aufgeführt, dass zufolge stetiger Zunahme der Feuerbestattungen die sofortige Erstellung einer neuen Urnenhalle unvermeidlich geworden sei, indem die noch vorhandenen Nischen in den bestehenden Gebäulichkeiten innert kurzer Frist besetzt sein würden. Um noch für einige Zeit mit dem bisherigen Raume auszukommen, seien Nischen in Postamente eingebaut worden, allein dieser Notbehelf beseitige nur für ganz kurze Zeit den starken Platzmangel, so dass der Neubau keine weitere Verschiebung ertrage und als dringliches Bedürfnis zu bezeichnen sei. Der im Einvernehmen mit dem Feuerbestattungsverein projektierte Bau werde laut Voranschlag Fr. 165,000.- Gesamtkosten verursachen, woran vorgenannter Verein sein heute vorhandenes Vermögen von rund Fr. 70,000.- sofort beisteuere und sich weiter noch zu einer Beitragsleistung von je Fr. 5000.- für die Dauer von 10 Jahren verpflichtet habe, so dass die Gesamt-Beitragsleistung des Feuerbestattungsvereins sich auf Fr. 120,000.- stelle. Für die politische Gemeinde St.Gallen werde sich demnach unter Anrechnung einer 4 3/4%igen Verzinsung und der vorgesehenen Amortisationsdauer von 10 Jahren aus den Annuitäten noch eine jährliche Belastung von Fr. 7154.- ergeben. Dies müsse nun als eine verhältnismässig bescheidene Ausgabe taxiert werden, wenn man berücksichtige, dass zufolge Zunahme der Feuerbestattungen der Stadt eine weitere Friedhofvergrösserung, welche von der Gemeinde erheblich grössere Opfer gefordert hätte, bis jetzt erspart geblieben sei und voraussichtlich noch für längere Zeit hinausgeschoben werden könne. Eine Erwägung, ob die Baute nicht kleiner gemacht werden sollte, um dadurch einem Kreditbegehren nach Art. 72 des Stadtvereinigungsgesetzes auszuweichen, sei nach bezüglichen Studien wieder fallen gelassen worden, indem sich eine solche Baueinschränkung als durchaus untunlich und unwirtschaftlich herausgestellt habe. 

Der Zugang zum Krematorium auf dem Friedhof Feldli war genauestens geregelt. Auf der Rückseite der oben publizierten Mitgliedskarte steht:

Feuerbestattungsverein Rueckseite Mitgliedskarte

Ausserdem befasste sich der Regierungsrat mit folgenden Themen:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und KA R.115 D 3 (Mitgliedkarte des St.Galler Feuerbestattungsvereins)

Zum Thema Kremation in der Schweiz vgl. den Artikel im e-HLS: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D28701.php

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