Bilanz

Freitag, 1. Dezember 1916 – Was der Staat kostet

Dem Regierungsratsprotokoll vom 1. Dezember 1916 ist das bereinigte, vom Grossen Rat genehmigte Budget 1917 eingeheftet. Daraus kann man u.a. entnehmen, wieviel sich der Staat seine Regierung und Verwaltung kosten liess. Allein die Löhne und Gehalte beliefen sich auf folgende Beträge:

Gehalte der Regierungsräte: Fr. 56’400, Gehalt des Staatsschreibers: Fr. 7500, Gehalte der Standesweibel: Fr. 11’300, Gehalt des Hausverwalters im Regierungsgebäude: Fr. 2200, Reisen der Regierung und der Sekretäre: Fr. 7000

Abordnung in den Ständerat: Fr. 3000

Gehalt des Staatsarchivars: Fr. 4500, Gehalt des Stiftsarchivars: Fr. 1200

Gehalte der Bezirksammänner: Fr. 48’300, Gehalte der Bezirksamtsschreiber: Fr. 44’300, Gehalte der Untersuchungsrichter im Bezirk St.Gallen: Fr. 6400, Gehalt des Sekretärs im Untersuchungsrichteramt St.Gallen: Fr. 2700

Gehalte der Kantonsrichter: Fr. 75’400, Rekurskommission des Kantonsgerichts, Gehalt des Ersatzrichters: Fr. 150, Fachgericht für die Stickereiindustrie, Gehalte: Fr. 2900, Bezirksgerichte und Gerichtskommissionen, Gehalte für Gerichtspräsidenten, Gerichtsschreiber und -weibel: Fr. 51’000, gewerbliche Schiedsgerichte, Warte- und Taggelder: Fr. 9000, Schiedsgericht betreffend Krankenkassen, Taggelder und Reiseentschädigungen: Fr. 500, Prüfungskommissionen für Anwälte und Rechtsagenten, Entschädigung: Fr. 800, unentgeltliche Rechtspflege: Fr. 9000, Schuldbetreibungs- und Konkurswesen, Gehalte, Taggelder und Reiseentschädigung: Fr. 700, Anklagekammer, Gehalt des Sekretärs und Sitzungsgelder für die Mitglieder und Ersatzrichter: Fr. 1600

Gehalt des Staatsanwaltes: Fr. 13’600, Gehalt des Gehülfen der Staatsanwaltschaft: Fr. 5000, Gehalte der Kanzlisten: Fr. 6500, Gehalt des Landjägerkommandanten im Rang eines Leutnants: Fr. 4000, Besoldung der Landjäger (Polizisten): Fr. 249’500

Kulturingenieur und Adjunkt: Fr. 11’500 (davon abzüglich ein Bundesbeitrag von Fr. 5750)

Sanitätskommission: Fr. 1000, Bezirksärzte: Fr. 4000, Kantonstierarzt: Fr. 5500 (davon abzüglich ein Bundesbeitrag von Fr. 2750), Gehalte und Löhne im Kantonslabor: Fr. 29’480 (davon abzüglich ein Bundesbeitrag von Fr. 12’425 und ein Beitrag des Kantons Appenzell Ausserrhoden von Fr. 2800), Gehalte und Löhne in der Kantonalen Entbindungsanstalt: Fr. 7500, Gehalte und Löhne im Kantonsspital: Fr. 126’300, im Spital Walenstadt: Fr. 18’400, im Spital Uznach: Fr. 12’900, im Spital Grabs: Fr. 14’000, in der Psychiatrischen Klinik St.Pirminsberg: Fr. 89’700, in der Psychiatrischen Klinik Wil: Fr. 145’800

Erziehungsrat: Fr. 4000, Erziehungskommission: Fr. 2000, Bezirksschulräte: Fr. 26’000, Arbeitsschulinspektion: Fr. 5200, Alterszulagen an die Volksschullehrer: Fr. 212’500 (davon abzüglich ein Bundesbeitrag von Fr. 36’340), Beitrag an die Lehrerpensionskasse: Fr. 45’900 (davon abzüglich ein Bundesbeitrag von Fr. 17’000), Lehrmittel für Primarschüler: Fr. 43’000 (davon abzüglich ein Bundesbeitrag von Fr. 13’000), Gehalte und Löhne im Lehrerseminar Rorschach: Fr. 80’500 plus ein Beitrag von Fr. 5700 an die Pensionskasse, Gehalte und Löhne in der Kantonsschule St.Gallen: Fr. 247’000

Gehalt des Steuerkontrolleurs: Fr. 3200, Gehalt des Assekuranzbeamten: Fr. 4000, Steuerrekurskommission: Fr. 3500, Gehalte der Beamten und Angestellten der Staatskassa-Verwaltung: Fr. 16’500 und Fr. 13’200

Sekretariate der Departemente (inkl. Adjunkten): Volkswirtschaftsdepartement Fr. 9000, Departement des Innern Fr. 9200 [sic], Erziehungsdepartement Fr. 9000, Finanzdepartement Fr. 9000, Baudepartement Fr. 5000 (nur Sekretär, dafür für Bureaukosten und Aushilfe zusätzlich Fr. 3400), Justizdepartement Fr. 9000, Polizei- und Militärdepartement Fr. 10’000 (Sekretäre)

Übrigens: Die budgetierten Taggelder und Reiseentschädigungen des Grossen Rates waren auf Fr. 23’000 veranschlagt. Dazu kamen noch Kommissionen und andere Kosten von Fr. 7000. Und an Heizkosten für das Regierungsgebäude rechnete man mit Fr. 16’000.

In der Bilanz beliefen sich die Gesamteinnahmen auf Fr. 14’573’800, die Gesamtausgaben auf Fr. 16’497’500, was einen Passivsaldo (ein Defizit) von Fr. 1’923’700 ergab.

Die Regierungsratsbeschlüsse dieses Tages finden sich nachfolgend:

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte)

 

 

Freitag, 1. Dezember 1916 – Die Artistenfamilie Nock logiert im Hotel Bahnhof in Gossau

Oben: Seiltänzer auf einem Bild von Eugen Blondin, 1897.

Am 1. Dezember 1916 findet man im Fremdenbuch des Hotels Bahnhof in Gossau folgende Gäste eingetragen:

Fremdenbuch

Beim Cinematographenbesitzer Nok Vater und seinem Sohn Nok Carl handelte es sich um Mitglieder der aus Baden-Württemberg stammenden Artistenfamilie Nock. Diese Familie verbindet man weniger mit dem Kanton St.Gallen als die Zirkusfamilie Knie, welche in Rapperswil ansässig ist.

Wohnwagen

Eugen Blondin (1871-1960), der Maler der Beitragsbilder, war der Sohn von Henri Eugen und Nina Blondin-Knie (1844-1916, Schwester von Ludwig Knie-Heim). Zunächst wie seine Eltern als Zirkuskünstler tätig, ging er ab 1887 bei einem Deokorationsmaler in die Lehre. Nach mehreren Jahren der Wanderschaft erhielt er 1900 eine Anstellung in der Firma Reinwald in Stuttgart, wo er nebenberuflich zusätzlich mehrere Semester an der Kunstgewerbeschule studierte. 1912-1914 war er als Gehilfe des Professors Cissarz, dem Vorstand der grafischen Abteilung der Stuttgarter Kunstgewerbeschule, tätig. Nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit konnte er 1915 wieder bei Reinwald eintreten. 1917 zog man ihn in den Landsturm ein. Nach Kriegsende war er nochmals zwei Jahre bei Reinwald angestellt. Ab 1921 wohnte Blondin in der Schweiz, wo er bis Anfang der 1930er Jahre im Zirkus Knie den Kassierdienst versah. Danach arbeitete er wieder als Dekorationsmaler.

Unterschrift Blondin

1897 malte er ein Bild (s. Ausschnitte oben), das die Grössenverhältnisse zwischen Zirkusartisten, Arbeitern und einzelnen Maschinenteilen des englischen Schnelldampfers Lucania darstellt. Die Lucania war bis 1897 das weltgrösste Schiff und mit dem Blauen Band ausgezeichnet. Letzteres wurde an Passagierschiffe vergeben, welche einen Schelligkeitsrekord bei der Überquerung des nördlichen Atlantik aufgestellt hatten:

Bild

Es ist das bisher einzige Bild im Staatsarchiv St.Gallen, welches Leben und Arbeiten von Zirkusartisten illustriert.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 037 (Auszug aus dem Fremdenbuch des Hotels Bahnhof in Gossau) und W 236 (Bild von Eugen Blondin, 1893)