Schulwandbild Saatkraehe

Mittwoch, 20. Dezember 1916 – Abschussprämien für Krähen, Elstern und Nusshäher

[…] teilt das Departement mit, es sei seitens der Bezirksämter Werdenberg, Oberrheintal und Unterrheintal berichtet worden, dass der Abschuss während der Sommermonate nicht den gewünschten Erfolg gehabt habe, dass die Krähen, Elstern und Nusshäher immer noch in übergrosser Anzahl vorhanden seien und dass die Gemeinderäte den dringenden Wunsch geäussert haben, es möchte der Abschuss in ähnlicher Weise auch für die Winterszeit gestattet werden, weil bei schneebedecktem Boden der Erfolg ein viel sicherer sein werde.

Unter der Nummer 2926 befasste sich der Regierungsrat damit in diesem Jahr zum zweiten Mal mit Vögeln, die der Landwirtschaft schadeten (vgl. den Beitrag zum 21. Juli 1916). Ausserdem beriet er folgende Geschäfte:

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und ZNA 09/0006 (Auszug aus einem Schulwandbild zum Thema )Saatkrähe, ca. 1900, Verlag Paul Parey, Berlin: Schröder und Kull, Biologische Wandtafeln zur Tierkunde, Tafel 24)

Donnerstag, 31. August 1916 – Holznutzung in Kriegszeiten, und: Landwirte, pflanzet Nussbäume!

Neben Kohle diente Holz während des Ersten Weltkriegs als Hauptfeuerungsmittel zum Kochen und Heizen. Holz wurde aber beispielsweise auch zur Papierherstellung oder im Baugewerbe in grossem Ausmass verwendet. Schutzinteressen (der Regierungsrat spricht in seinem Kreisschreiben unten von ‚wirklichem Naturschutz und edelstem Heimatschutz‘) und Waldpflege standen vermehrtem Abholzen entgegen.

Kreisschreiben des Volkswirtschaftsdepartements des Kts. St.Gallen an die Waldbesitzer und das Forstpersonal betreffend ausserordentliche Holznutzung und Wiederanpflanzung.

Vom 31. August 1916.

Die ausserordentlichen Zeitverhältnisse stellen auch an den Wald fortgesetzt ausserordentliche Forderungen. Um einem allfälligen Holzmangel sowohl wie unerschwinglichen Holzpreisen zu begegnen, ist es unerlässlich, dass dem Bedarf durch Bereitstellung ausreichender Mengen Holz, und zwar Brennholz, wie Papierholz, Bauholz usw., stetsfort genügt wird. Das Forstpersonal wird daher wiederholt angewiesen, bei den erforderlichen Schlaganweisungen bestmögliches Entgegenkommen zu erweisen. Wo es sich um Waldungen handelt, deren jährliches Nutzungsquantum durch Wirtschaftspläne geregelt ist, wird der Regierungsrat von der gesetzlichen Befugnis, ausserordentliche Nutzungen zu bewilligen, – soweit wenigstens schlagreifes Holz in Frage steht, – in dieser Zeit gerne ausgiebigen Gebrauche machen. Indessen ist es wohl selbstverständlich, dass auch bei den derzeitigen vermehrten Nutzungen nach streng forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten vorgegangen werden muss, indem nur schlagreife Holzbestände dem gesteigerten Bedarf geopfert werden sollen.

Wo solches Holz in einer den ordentlichen Abgabesatz übersteigenden Menge vorhanden ist, sollen die betreffenden Waldbesitzer (Orts- oder Korporationsverwaltungen) durch den Bezirksförster die regierungsrätliche Übernutzungsbewilligung nachsuchen und mit dem ausserordentlichen Erlöse allfällige Schulden amortisieren oder besondere forstwirtschaftliche Verbesserungen (wie notwendige Abfuhrwege, Entwässerungen, Aufforstungen usw.) ausführen.

Dass die unverzügliche, forstgerechte Wiederbepflanzung abgeholzter Waldbestände eintreten und der Waldkultur selbst die sorgsamste Pflege zugewendet werden muss, ist wohl für jeden einsichtigen Waldbesitzer eine selbstverständliche Pflicht. Allein nicht bloss der Wiederbepflanzung, die der Erhaltung des bisherigen Waldareals dient, sondern auch der Neuaufforstung zur Waldvermehrung muss überall die grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Jegliches Oedland soll, soweit es nicht in Kulturland übergeführt werden kann, mit geeigneten Holzarten bepflanzt und in Wald umgewandelt werden. Dem Forstpersonal erwächst die dankbare Pflicht, nach dieser Richtung noch mehr als bisanhin [sic], initiativ und anregend zu wirken.

Ganz besondere Beachtung verdienen zurzeit aber auch die vielerorts rückständigen Durchforstungen, die einerseits im Interesse des Waldes durchgeführt werden und anderseits noch sehr viel Papier- und Brennholz liefern können.

Ausser dem Wald bedürfen im weitern auch einzelne Baumarten, deren Erhaltung ihres wertvollen Holzes wegen sehr gefährdet ist, so namentlich Nussbäume, aber auch Eichen, Ahorne, Eschen usw. noch eines besonderen Schutzes. Auf derartige Bäume ist in den letzten Jahren eine förmliche Jagd gemacht worden, der leider viele dieser Zierden der Landschaft zum Opfer gefallen sind. Da gilt es nun, durch Neupflanzung von Nussbäumen, wie andern Hochstämmen, die als Nutz- und Schutzbäume dienen können, den Schaden so gut als möglich wieder auszubessern. Jeder Waldbesitzer, wie Bodenbesitzer überhaupt, sollte es sich als Ehrenpflicht anrechnen, auf geeigneten Standorten auch wieder Nussbäume und dergleichen zu pflanzen. Und wenn es sich da oder dort noch um die Erhaltung eines schönen Baumes oder einer Baumgruppe als Naturdenkmal handelt, seien die zuständigen Gemeindebehörden an die gesetzliche Handhabe erinnert, die Art. 702 ZGB und Art. 154/155 EG ihnen bieten.

Es ist eben nicht zu verkennen, dass die Erhaltung und die Vermehrung der Waldungen, wie einzelner Baumtypen, wirklichen Naturschutz und edelsten Heimatschutz bedeutet, der dem Lande zum Nutzen und dem Besitzer überdies zur Ehre gereicht.

St.Gallen, den 31. August 1916.

Für das Volkswirtschafts-Departement des Kantons St.Gallen,

Der Regierungsrat:

Dr. G. Baumgartner.

Briefkopf

Inserat

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ZA 001 (Holznutzung und Wiederanpflanzung in Kriegszeiten, erschienen im Amtsblatt für den Kanton St.Gallen, 91. Jg., Bd. II, Nr. 14 vom 1. September 1916, S. 275f.) und ZOA 009/1.067 (Blick von der Alp Sennis oberhalb Berschis Richtung Alvier, abgeholztes Waldstück und einzeln stehender Baum, Aufnahme zwischen 1910 und 1935) sowie ZMH 22/026 (Briefkopf, 1909) und W 248/82 (Anzeige in: St.Galler Bauer, 3. Jg., Heft 44, 04.11.1916, S. 747)

 

Berneck, 1912

Freitag, 21. Juli 1916 – Kreditüber-schreitung wegen Preissteige-rung für Kupfervitriol und Abschussprämien für Krähen

Kriegsbedingter Mangel machte sich überall breit: Das Volkswirtschaftsdepartement berichtet [in der Regierungsratssitzung], dass infolge unerwartet starker Preissteigerung für Kupfervitriol und trotzdem dieses Rebspritzmaterial zu einem mehrfach höhern Preise (80 Rappen pro kg.) an die Rebgemeinden abgegeben werde als dies in frühern Jahren der Fall gewesen ist, eine ganz erhebliche Überschreitung des budgetierten Kredites für die Bekämpfung und Kontrolle der Rebkrankheiten (Rubrik 149) sich nicht vermeiden lasse, musste doch das für den dringendsten Bedarf erforderliche Kupfervitriol (24000  kg) beim Bunde zu Fr. 1.55 beschafft werden. (Die von den Rebgemeinden benötigte Soda ist denselben zum Anschaffungspreise abgegeben worden.) Während der im Budget vorgesehene Kredit Fr. 20,000.- beträgt, macht nunmehr die in üblicher Weise durchgeführte Vermittlung der Rebspritzmittel einen Betrag von Fr. 38,000.- erforderlich; andererseits werden allerdings auch die Einnahmen gegenüber dem ursprünglichen Budgetansatze (Fr. 17,000.-) erhebliche Vermehrung erfahren; letztere lassen sich zwar heute noch nicht genau fixieren, dürften aber voraussichtlich doch nicht unter Fr. 28000.- bleiben. Angesichts der diesjährigen ungünstigen Ernteaussichten kann den Rebgemeinden selbst nicht wohl eine höhere Leistung, als wie sie in einem seinerzeitigen departementalen Kreisschreiben in Aussicht genommen wurde (wie erwähnt pro kg 80 Rappen), zugemutet werden. Die Nettomehrausgabe wird den bestehenden Kredit nach Eingang der Bundessubvention noch um etwa Fr. 7000.-  übersteigen. (Nr. 1716) Der Regierungsrat bewilligte aufgrund dieser Ausführungen eine Erhöhung der genannten Budgetrubrik um 18’000 Fr.

Zu reden gab im Regierungsrat auch ein Bericht des Justizdepartements, wonach die Gemeinderäte im Rheintal abhülfliche Massnahmen gegen das Überhandnehmen von Krähen und Elstern als dringend notwendig bezeichnet würden. Diese Tiere bildeten eine eigentliche Gefahr für die Feldfrüchte und für die kleinen nützlichen Vögel, hiess es. Die gegenwärtige, wohl längere Zeit dauernde Lebensmittelteuerung lasse erwarten, dass auch der Staat sich an der Bekämpfung der genannten Schädlinge beteilige durch Ausstellung zahlreicher Abschussbewilligungen und durch Aussetzung von Schussgeldern. Seitens der Gemeinderäte seien solche bis auf 80 Rappen per Stück ausgesetzt worden. Auch in diesem Fall zeigte sich der Regierungsrat dem Antrag gegenüber grundsätzlich geneigt, allerdings immerhin innert der Schranken, welche zur Abwehr von Missbräuchen und zum Schutze der Jagd als geboten erscheinen.  (Nr. 1723)

Daneben befasste sich der Regierungsrat noch mit folgenden Themen:

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und W 238/03.02-20 (Ansichtskarte zum Rebbaudorf Berneck, 1912)

Sonntag, 2. Juli 1916 – Umwelt-schutz? Naturfreunde vergraben Konservendosen und füttern Fische im See mit Nudeln

„Berg frei“ ist der traditionelle Gruss der Naturfreunde, die ihre Wurzeln in der Arbeiterbewegung haben. Im Gegensatz dazu steht „Berg heil“ der bürgerlich orientierten Alpenvereine. 1912 entstand am Säntis die erste Naturfreundehütte der Schweiz.

Tourenbericht vom 2. Juli 1916. „Säntis-Altmann“.

I. Grau der Himmel schon seit Wochen, Sonne kennt man fast nicht mehr, // Ständig kommen angekrochen, düstre Wolken regenschwer. // Ein’ge wetterfeste Knaben, trotzdem sich entschlossen haben, // Die Berge zu ersteigen, um Petrus mal zu zeigen; // Dass er trotz Regen und Hagelschauern, // Uns nicht die Laune kann versauern.

II. Per Dampfross sie nach Urnäsch ziehn, // Im Abendglanz die Berg‘ erglühn. // Und Kessler voran, macht Riesenschritte, // Am Rossfall vorbei, jetzt hat man die Mitte // Von Urnäsch bis Krätzerli erreicht, // Wie wird uns das Herze so leicht.

III. Im Krätzerli gabs feinen Fladen, // Auch Milch und Wein kann man da haben, // Nachdem wir den Magen Tribut gebracht, // Haben vom Himmel die Sterne gelacht.

IV. Und weiter zieht es uns mächtig, auf Schwägalp, wie prächtig, V/ om Säntis treu bewacht, in milder Sternennacht, // Fanden wir unsere Hütte wieder, // Wo wir geruht die müden Glieder.

V. Früh morgens eh die Hähne krähn, // Und alles noch in süsser Ruh, // Giebts kein lang Besinnen mehr, // Freund Schweizer ruft uns zu, // Auf auf Kamerade, heraus aus dem Heu, // Das Frühstück verzehrt, den Rucksack herbei, // Und schon in kurzer Zeit, war alles marschbereit. // Er zählt die Häupter seiner Lieben, // Und sie[he], statt sechse warens sieben.

VI. D’rauf ganz bedächtig, im Morgenrot prächtig, // Geht es bergan, zur „Tierwies“ dann. // Dort gabs einen Schnaps, und weiter gabs, // Zu bewundern die herrliche Alpenwelt, // Ein armer Tropf dem das nicht gefällt.

VII. Der Säntis-Gipfel war bald erklommen, // Von der Sonne soeben wach geküsst. // Die Aussicht war herrlich u. wenig verschwommen, // Ihr stolzen Berge seid uns gegrüsst.

VIII. Was kann man doch alles hier oben erleben, D// a sahen wir ein Dämchen soeben, // Mit Lackstiefelchen angetan ganz fein, // Für ein Schuhgeschäft Reclame laufen, // Mögt alle ihr eure Bergschuh dort kaufen.

IX. An stolze Felswand, am Liesengrad [Lisengrat], // Ein Plätzchen wir fanden, das gefallen uns hat, // Und aus des Rucksacks tiefsten Gründen, // Kamen die schönsten Sachen ans Licht, // Um gleich im Magen zu verschwinden, // Dem Wettergott gefiel das nicht. // ER gab uns seinen Morgensegen // Vom Weg mit auf den Liesengrad, // Aus Himmels-Schläusen [sic] strömt der Regen, // Uns wenig, das genieren tat.

X. Über Fels und Stein, // Immer hoch das Bein, // Sind wir geklettert. // In kühnem Schwung den Schnee hinab, // Und immer weiter, bergauf, bergab.

XI. Sei uns gegrüsst, stolzer Altmann, // Auch Du musst heute noch glauben dran, // „Es wird uns schon gelingen, // Auch Dich noch zu bezwingen. // Von der Stirne heiss, rinnen muss der Schweiss, // Soll das Werk den Meister loben; // In kurzer Zeit schon sind wir oben.

XII. Der Himmel hat sich aufgehellt, // Ringsum, so schön, mit Worten nicht zu sagen, // Erstrahlen Firn u. Gletscherwelt, // Bis wo die Gipfel in den Himmel ragen. // Ja, die Natur so göttlich schön, // So einzig wahr und rein. // Warum kann denn die Menschheit nicht // In Frieden einig sein?

XIII. Der Säntis zieht inzwischen, die Nebelhaube an, // Nun heisst es abwärts wieder, hübsch langsam, Mann für Mann. // Am Ostgrad [Ostgrat] vorbei, im Schaffhauser Kamin, // Über Schründe u. Spalten mit frohem Sinn. // Freund Minder hat sich ein Liedchen gepfiffen, // Vor lauter Freude, wir haben’s begriffen. // Zu Tal manch helle Jodler schallen, // Die von den Bergen wiederhallen.

XIV. Am End‘ vom Kamin, im Schnee ein Rutsch, // Auf einmal war Freund Pickert futsch. // Mit Beinen und Armen, dass Gott erbarmen // Fährt er in der Luft herum, Ach das war auch gar zu dumm. // Vom Kessler die Hose aus gutem Loden, hat schwer gelitten an ihrem Boden, // Darauf folgt Minder im lockigen Haar, die Schneebrillen raus, sonst lauft ihr Gefahr.

XV. Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp // Zu rutschen das lange Schneefeld hinab? // Schweizer als erster saust schon hinunter, // Und wieder folgt einer frisch und munter, // Bis alle wir unten gelandet sind // Auch Masel die Sprache wiederfindt. // „Schneidig“ sagt er „watt?“ // „Donnerwetter abjerutscht“ // Minder darob lacht und hat // Sich die Brille abgeputzt.

Bergwanderer

Die Gruppe nach der Rutschpartie am unteren Ende des sogenannten Schaffhauser Kamins (Foto im Tourenbuch).

XVI. Am Fählensee in friedlichem Vereine, Männlein u. Weiblein, Arme u. Beine // Von sich gestreckt in süsser Ruh, // Und vom Himmel die Sonne lacht dazu. // Gengis [?] nebst Damen, im schönen Rahmen // Begrüssten wir da, so wunderbar. // „Berg frei“ erschallt es aus aller Munde, // Miteinander verbrachte man eine Stunde. // Die Loreley macht Toilett, als käm sie grad erst aus dem Bett, // Sie wäscht sich mit dem Kamme, u. kämmt sich mit dem Schwamme, // Und Max singt ein Lied dabei, von wunderbarer Melodei.

XVII. Darauf sind sie hinweg marschiert, u. haben uns unten avisiert, // Im Weissbad treffen wir uns wieder, inzwischen lebt wohl Touristenbrüder // Wir aber sind noch liegen geblieben, und haben uns dazu entschieden // Noch einmal abzukochen zünftig, ich glaube das war sehr vernünftig. // Da hört man es brodeln, bei Minder giebts [sic] Nudeln, // Zwar versalzen sie sind, aber dafür nicht lind. // Max trinkt, ach herje, „Halleluja-Tee“ // Und Pickert behauptet steif u. fest, Hafersuppe sei das Best. // Was steht bei Schweizer auf dem Küchenzettel heut? // Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit, // Und Kessler meint, weil die Sonne scheint, // Braucht keinen Sprit man zu verbrennen, // Ich will ein praktisches Mittel euch nennen. // Mit dem Bauch in die Sonne legt er sich drauf, // Und wärmt sich das Morgenessen auf.

XVIII. Dann nach beendigtem Schmause haben, // Wir leere Conservenbüchsen vergraben. // Mit den Nudeln die Fische im See wir beglücken, // Mögen sie sich daran erquicken. // Dankbaren Herzens haben wir dann, ein Opferfeuer gezündet an, // Und schafften somit zu gleicher Zeit, // Alle Papierresten auf die Seit. // Schnell noch dem Kessler die Hose geflickt, // Nachher haben auch wir uns gedrückt. // Sind dann den Stiefel hinab getrollt, // Die Beine haben nicht recht mehr gewollt. // Auf einmal sah man, es war zum lachen [sic], // Freund Willy `nen schwungvollen Salto machen. // Die Feldflasch in schönem Bogen, ist zu Tal geflogen. // Max hat sie schnell noch aufgefangen // Und somit war alles gut gegangen; // Denn die Fische umfing mit ihrer Hülle // Kühlen See in grosser Fülle, // Der soll uns noch laben, wenn Durst wir haben; // Denn der Weg bis ins Weissbad ist noch lang, // Da lernt man schätzen solch edlen Trank.

XIX. Auf Platten, am Weg, steht ein Häuschen gebaut, // Von schattigen Bäumen gar lieblich belaubt. // Da tät’s uns gefallen, da zieht es uns hin, // Doch fort muss der Wandrer, muss heimwärts ziehn.

XX. Im Restaurant zum Weissbad, da kehrten durstig ein, // Die fröhlichen Gesellen, und fanden bei Saft und Wein // Die Staubern-Kraxler wieder, drum liessen sie sich nieder, // Verzehrten, was Gutes die Wirtin bot, // Saft, Bier und Wein, auch Wurst und Brot.

XXI. Bis Appenzell das kurze Stück, // Legt man noch recht gemütlich zurück, // Mit fröhlichem Gesang, und Schnörregiege [Mundharmonika] Klang. // Zum Schluss noch ein schönes Regenbad // Uns sauber abgewaschen hat.

XXII. Leider müssen wir heimwärts gehen, // Ihr Berge lebt wohl, auf Wiedersehn, // Mit Dankbarkeit im Herzen, und Frieden in der Brust, // Was die Natur uns bot, wir sind es uns bewusst. // Am Himmel zucken Blitze, und ferner Donner kracht, // Ade ihr Berggenossen, für heute

„Gute Nacht“

W. Pickert[,] 2. Juli 1916.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 285/2.06.1-1 (Touristenverein Naturfreunde St.Gallen (TNV), Sektion St.Gallen, Tourenbericht) und W 285/2.06.1-2 (Bilder)

Altenrhein, 1902

Samstag, 27. Mai 1916 – Naturschutz im Kanton St.Gallen

Die Abendausgabe der Zeitung Ostschweiz publizierte einen kurzen Bericht über Naturschutzbestrebungen im Kanton St.Gallen:

Naturschutzgebiet Altenrhein.

Mit dem Pflanzenschutz im Altenrheingebiet ist bereits Ernst gemacht worden. Besucher des Altenrheins [sic] haben sich demnach strenge an die von der st.gallischen Naturschutzkommission vorgeschlagenen und von den Gemeindebehörden Thal und Rheineck genehmigten Verordnungen zu halten.

Das Massensammeln von Pflanzen, besonders der blauen und gelben Schwertlilien, der weissen und gelben Seerosen, sowie das Abbrechen der Weidenzweige und Kätzchen ist strengstens verboten. Plätze mit besonders schöner Flora werden mit besonderen Tafeln „Naturschutz“ versehen. Daselbst wird jedes Pflücken und Ausgraben der obgenannten Pflanzen mit empfindlicher Busse bestraft.

Die Behörden haben auch das Betreten der Privat- und Gemeindegüter untersagt. Es dürfen nur die öffentlichen Wege begangen werden.

Die Natur mit ihren erhabenen Schönheiten ist für alle Menschen da, nicht für einige wenige Bevorzugte, die die ganze Welt gepachtet haben wollen, nicht für Vandalen, die sie in bodenloser Dummheit und Unwissenheit oder aus rohem Raubtierinstinkt verschandeln und verwüsten.

Jugend und Volk aber mögen es beherzigen: „Wanderer, freue dich der schönen Natur, achte und schütze in ihr das Lebendige und das Leben!“

E.B.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, P 907 (Die Ostschweiz, Nr. 124, 27.05.1916, Abendblatt) und W 238/02.13-02 (Ansichtskarte von Altenrhein, 1902)

Freitag, 26. Mai 1916 – Jagd auf Raubvögel zum Schutz militärischer Brieftauben

Der Steinadler im Bild war nicht in Gefahr, wohl aber eine ganze Reihe anderer Raubvögel, wie der Regierungsbeschluss Nr. 1295 festhielt:

Das schweizerische Militärdepartement ersuchte die Kantonsregierungen mittelst Kreisschreiben vom 24. Juni und 27. Juli 1915 zum Schutze der für militärische Zwecke trainierenden Brieftauben einen Extra-Abschuss von Sperbern, Hühnerhabichten und Wanderfalken ausnahmsweise zu bewilligen. Schon vorher war vom Zentralpräsidenten der schweizerischen Brieftaubenstationen ein bezügliches Gesuch an das referierende Departement [gemeint ist das Justizdepartement] gestellt worden. Letzteres erteilte solche Bewilligungen an eine Anzahl zuverlässiger Jäger der Bezirke St.Gallen, Tablat, Unter- und Oberrheintal, Werdenberg und Sargans. Die erlegten Vögel mussten dem Direktor des naturhistorischen Museums in St.Gallen eingesandt werden, der sie kontrollierte und darüber berichtete. An Prämien wurden per Stück vergütet, vom Bunde Fr. 1.-, vom Zentralverein schweizerischer Brieftaubenstationen Fr. 1.- und vom Brieftaubenverein Columbia in St.Gallen für einen alten Raubvogel F. 3.- und für einen jungen Fr. 2.-. Im Kanton St.Gallen wurden 64 Stück erlegt.

A 507-11.1.2-03.33 Emil BächlerMit Eingabe vom 28. April l.J. [laufenden Jahres] machten Professor Dr. Steiger in St.Gallen namens des Zentralvereins schweizerischer Brieftaubenstationen und Direktor E. Bächler namens des naturhistorischen Museums St.Gallen geltend, dass der vorjährige Abschuss der bezeichneten Raubvögel im allgemeinen ein ungenügender gewesen sei, zumal er auch zu spät eingesetzt habe. Ein weiterer Abschuss sei ums nötiger, als die genannten drei Raubvogelarten auch die gefährlichsten Feinde der für die Land- und Forstwirtschaft so nützlichen Singvögel seien. Es handle sich nur um eine Dezimierung, keineswegs aber um eine Ausrottung der Raubvögel, so dass vom Standpunkte des Naturschutzes aus keine Bedenken bestehen. Die Häufigkeit der Raubvögel sei auch heute noch eine zu grosse. Nun seien aber die finanziellen Mittel der lokalen Brieftaubenvereine zu beschränkte, um auch im laufenden Jahre eine Prämie von Fr. 3.-, bezw. Fr. 2.-, per Stück leisten zu können. Dagegen würde der Zentralverein eine Prämie von Fr. 1.- gewähren. Es sollte daher der Kanton in den Riss treten, um für jeden ausgewachsenen Vogel Fr. 5.- und für jedes Nestjunge 50 Rappen vergüten zu können. Auch sollte der Abschuss auf weitere Gebiete des Kantons, sowie auf die Zeit bis Mitte September ausgedehnt werden. 

Das Landjägerkommando befürwortete mit Vernehmlassung vom 5. Mai l.J. die Bewilligung des Abschusses nur für die Dauer von 2 Monaten und die Entrichtung einer kantonalen Prämie von nur Fr. 1.- per Vogel und von 50 Rappen für ein Nestjunges. Das Volkswirtschaftsdepartement befürwortete mit Reskript vom 15. Mai auf Grund eines Gutachtens der landwirtschaftlichen Schule Custerhof den Abschuss von Hühnerhabichten und Sperbern, nicht aber denjenigen der selben vorkommenden Wanderfalken. Das Präsidium der st.gallischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft und der kantonalen Naturschutzkommission schloss sich diesem Vorschlage an und befürwortet ebenfalls eine Abschussdauer von 2 Monaten.

Der vollständige Beschluss und alle übrigen Themen finden sich hier:

 

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) sowie ZNA 01/0175 (Erziehungsrat des Kantons St.Gallen (Hg.): Lesebuch für das sechste Schuljahr der Primarschulen des Kantons St.Gallen. St.Gallen 1906)  und A 507/11.1.2-03.33 (Porträt Emil Bächler, 1906)

Eine Kurzbiographie zu Emil Bächler ist nachzulesen unter: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D31445.php

Samstag, 1. April 1916 – Hottentottenpotentaten-tantenattentäter in der Sprachheilschule

Tagebucheintrag von Emma Graf, Schülerin der Taubstummenanstalt St.Gallen (heutige Sprachheilschule St.Gallen), geboren 1900:

Herr Bühr hat uns ein neues Wort gelehrt. Es heisst: Hottentottenpotentatentantenattentäter. Das ist eine gute Übung für die Zunge.

Am Sonntag machte ich Besuch in Lachen. Ich brachte ein Sträusschen Märzensternen [sic] heim. In Stein im Kt. Appenzell hat es viele Märzensterne auf den Wiesen. Wenn der März kommt, ziehen die Leute in Scharen nach Stein, um Märzensterne zu grasen. Wir haben auf dem Spaziergang wahrgenommen, dass 3 Kinder einen Haufen Märzensterne abgegrast hatten. Das ist eine Versündigung an der Natur. In einigen Jahren hat es in Stein keine Märzensterne mehr. Früher gab es in St. Gallen in den Wäldern eine sehr schöne Blume, Frauenschuh. Sie wurde von den Leuten ausgerottet. Jetzt gibt es gar keine mehr. Früher gab es in der Schweiz viele alte, dicke Bäume. Sie wurden umgehauen u. dann verkauft. Es ist schade um die schönen Bäume. In den Alpen lebten viele Adler, Hirsche, Steinböcke, Rehe, Gemsen u. andere Geschöpfe. Sie sind von den Jägern niedergeknallt worden. Viele alte, schöne Häuser wurden niedergerissen. Die Leute sagten, sie seien Verkehrshindernisse. Darum gründete man einen Naturschutzverein. Dann werden die Natur u. die Heimat geschützt vor den Naturräubern. Herr Bühr zeigte uns viele Bilder von den alten, schönen Häusern von St.Gallen.

Fr. Groth bekam eine Nachricht von Frl. Scherrer. Morgen kommt sie nach St. Gallen. Sie lässt sich bei Hrn. Dr. Bärlocher untersuchen. Bei dieser Gelegenheit macht sie in der Anstalt einen Besuch. Wir freuten uns auf das Wiedersehen. Es nimmt uns wunder, wie es [sic] Frl. Scherrer aussieht. Ich glaube, sie wurde von der Sonne gebräunt. Sie musste in Davos viel an der Sonne liegen. Die Sonne heilt die Lungen. Die Bündner haben eine besondere Sonne. Sie ist nocht [sic] so verschämt, wie die St.Galler. In St.Gallen scheint die Sonne nicht oft. Sie versteckt sich oft hinter den Wolken.

Heute u. morgen finden die Examen in der Stadt statt. Nachher beginnen die Ferien.

Familie Bühr hat jetzt einen Gast. Als Frau Bühr von Mattstetten zurückkehrte, brachte sie eine Nichte mit. Sie sieht Trudi Bühr ähnlich, nur ist diese am Gesicht u. am Körper schmäler, ihre Cousine breiter u. fester. Die Cousine spielt allein. Sie darf bald mit den Kindern spielen u. herumtollen.

Gestern hatten wir Sturm. Er hat in den Schlafsäälen [sic] Decken u. Kopfkissen auf den Boden geworfen. In Frl. Groths Alkoven hat er übel gehaust. Er hat 3 Bilder von den Wänden gerissen u. zertrümmert. Das war ein toller Geselle.

Am Donnerstag holte Willi Bühr eine Kiste auf dem Expressgut. Darin waren 4 Kaninchen, 3 weisse u. ein graues. Onkel Fritz in Mattstetten, der Vater von Trudi Gfeller, schenkte sie den Kindern, dass sie etwas zu tun haben. Willi u. Hans konnten die Sendung fast nicht erwarten. Willi fragte in den letzten Tagen hundert- u. aberhundertmal, ob sie jetzt bald kommen. Er reckte sich fast den Hals aus nach dem Bahnfuhrwerk. Er glaubte, das Bahnfuhrwerk bringe sie. Diese Woche musste Anton Vogler in den Spital gebracht werden. Sein Arm ist steif. Er kann ihn fast nicht biegen. Er wird im Spital geübt. Eine Schwester muss ihn so lange mit Gewalt zurückbiegen, bis er die Beweglichkeit erlangt hat. Er wird narkotisiert, damit er die Schmerzen nicht spürt. Diese Woche wurde er mit Röntgenstrahlen photographiert. Die Ärzte finden nicht recht heraus, wo es fehlt.

Wir haben heute eine Schülerin weniger in unserer Klasse. Gestern Abend ging Seppli mit der Mutter heim. Ihre Schwester Vreneli ist endlich von ihrem Leiden erlöst worden. Die Mutter nimmt die Leiche nach Rheineck. Sie will das Kind dort begraben lassen, damit sie das Grab öfters besuchen kann. Wenn Vreneli in St. Gallen begraben würde, so könnten die Angehörigen das Grab nicht so oft besuchen. Auch wäre jeder Besuch mit Kosten verknüpft.

Wir haben im Mädchenuaus wieder eine neue Patientin, Frl. Baur. Sie ist zum zweitenmal an Influenza erkrankt. Wahrscheinlich ist sie nach dem erstenmal zu früh aufgestanden u. zu früh an die Arbeit gegangen. Die Influenza ist eine heimtückische Krankheit.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 206 (Text) und W 238/06.09-36 (Ansichtskarte von 1910, Verlag und Lithograph: Artist Atelier H. Guggenheim & Co., Editeurs, Zürich, No. 6920 Dép.)