Weihnachten Hof Oberkirch

Samstag, 22. Dezember 1917 – Weihnachtsvorfreude in Hof Oberkirch

Die Schulchronik des reformpädagogisch geführten Landerziehungsheims Hof Oberkirch bei Kaltbrunn vermerkt für den 21. und den 22. Dezember 1917:

21. Dez. 1917. Die Weihnachtsferien vor Augen wurden die Koffern von dem Dachboden heruntergschaf[f]t und ein eifrig freudiges Packen begann. Auch noch Vorbereitungen für die bevorstehende Weihnachtsfeiher [sic] mussten getroffen wergen [sic]. So war denn reger Betrieb.

Mit den 5 Uhr Zügen trafen wie erwartet die wenigen Gäste ein. Vielen Eltern war es involge [sic] schlechter Zugverbindungen verunmöglicht zu kommen. Dem entsprechend feiherten [sic] wir unsere Weihnachten.

Unser Programm enthielt einige Chorgesänge. Auch sangen Fräulein Irmgard Weber sowie Herr Mäder solo. Die Höflermusiker produzierten sich mit [(mit) gestrichen] ihren gut eingeübten Künsten, worunter sich besonders Paul Tobler auszeichnete. Als wohltuende Abwechslung des Programms rezitierte Ernst Schmidheinz eine Weihnachtsgeschichte und Herr Tobler las was passendes vor. Schlicht jedoch stimmungsvoll, wozu der mit Äpfeln und brennenden Kerzen geschmückte Christbaum beitrug, schloss der Abend mit dem Liede

O du fröhliche …

Doch für uns ging der Bummel erst recht los. Mit Höflerappetit macht man sich anden Weihnachtsfras[s], der trotz des Krieges nichts zu wünschen übrig liess. Nur der Rahm blieb aus, er wurde jedoch durch Früchte u. Torte ersetzt.

Wer erbarmte sich nicht der vollen Bäuche, die vor lachen [sic] fast zerplatzten, denn die Giftspritzer hatten ihr erbarmungsloses Handwerk begonnen. Blass, dann immer röter werdend, steht Einer nach dem Andern vorn, umringt von der, vor Schadenfreude jubelnden Menge. Nach dieser Beschehrung wurden noch verschiedene andere gediegene Sachen gebracht[,]  unter anderm [sic] hielt Welti einem [sic] Festrede.

Inzwischen 12 Uhr geworden, gings dann ins Bett.

22. Dez. 17. Trotz des langen aufbleibens [sic] begann schon früh reges Leben. Jeder machte sich reisefertig. Fieberhaft ass man zu Morgen, denn kaum fassbar erschienen die Ferien. Erst im dahienfahrenden [sic] Zuge kann man es richtig erfassen:

„Hurra Ferien“!

Nächster Beitrag: 29. Dezember 1917 (erscheint am 29. Dezember 2017)

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 127 (Hofchronik 1915-1921; Beitragsbild: Linolschnitt von Paul Tobler in der Hof-Zeitung, Nr. 9, April 1917)

hinterlasse einen Kommentar