Broschüre Volk und Heer

Mittwoch, 19. September 1917 – Ein ungeheuer trauriges Schauspiel menschlichen Wirrsals

Die Betriebskommission der Zeitung Ostschweiz konnte folgenden Auftrag verbuchen:

2. Herr Generalstabs-Adjutant Oberstdivisionär [Friedrich] Brügger [1854-1930] will seinen Bettagsvortrag im Katholikenverein der Stadt St.Gallen: „Volk und Heer“ in der Ostschweiz erscheinen lassen und wünwt [sic], dass die Druckerei denselben auch in Broschürenform in Verlag nehme und ein Uebererlös dem „Roten Kreuz“ zufalle. Einen Ausfall verspricht er zu decken. Die Betriebskommission ist einverstanden, beschliesst ein Format von ca. 14/24, Benützung des Zeitungssatzes, dagegen besseres Papier, Auflage von 800-1000 unter Rückbehaltung des Satzes. In diesem Sinne soll Herrn Brügger eine Vorlage gemacht werden, um event. dessen weitere Wünsche betreffend Verlag zu erfahren. Für die Reklame soll Herr Redaktor [Emil] Buomberger [1877-1939] um seine Mitwirkung ersucht werden, [sic]

In der Sitzung vom 3. Oktober 1917 findet sich ein weiterer Eintrag zum Geschäft:

2. Der in Broschürenform herausgegebene Vortrag Brügger „Volk & Heer“ wird dem Katholikenverein St.Gallen zum reduzierten Preise von 30 Rpp. [sic] in 50 Exemplaren abgegeben, weil letztere schenkungsweise an Herrn Generaladjudant [sic] Brügger verabfolgt werden wollen.

Der Schluss von Friedrich Brüggers Bettagsvortrag lautete:

Volk und Heer, das muss unbedingt zusammenhalten und zusammenbleiben, ein starkes, ein wehrhaftes Volk und Heer. Wenn je einmal, so gilt das heute, wo rings um uns die Välker ihr Aeusserstes und Letztes zusammenraffen an Kraft und an Opfer, um oben zu bleiben im blutigen Ringen. Alle Länder und Völker um uns sind nicht als ungeheure Heerlager, wo alles für den Krieg lebt und arbeitet, an der Front die waffenfähigen Männer und hinten der übrige Teil des ganzen Volkes, alle eins, alle opfer- und todesbereit. Es ist das ein ungeheuer grosses Schauspiel menschlichen Opfermutes, aber auch ein ungeheuer trauriges Schauspiel menschlichen Wirrsals.

Wir sind bis heute verschont geblieben. Danken wir Gott dafür, heute besonders, am eidgenössischen Buss- und Bettag des Blutjahres 1917, und bitten wir Gott, dass er uns ferner verschone. Will er aber auch uns die grosse Prüfung nicht ersparen, dann wollen auch wir sie mannhaft bestehen, mit Gott und mit Ehren!

Nähere Angaben zu Friedrich Brügger und Emil Buomberger: vgl. e-HLS (http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D3558.php und http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D6229.php)

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, Wy 088 (Firmenarchiv „Ostschweiz“ Medien AG, Protokolle Verwaltungsrat und Betriebskommission, 1915-1920; Texte) und Misc. sep. 119(12) (Beitragsbild)

 

 

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