Mittwoch, 5. Juli 1916 – Der Arbeitersekretär in den Ferien (Teil 2): Es regnet noch immer und man jasst weiter

Tagebucheintrag von Josef Scherrer-Brisig (1891-1965), Sekretär des Schweizerischen Christlichen Textilarbeiterverbands (1910-1916), später Kantonsrat und Nationalrat, Mitbegründer der Christlichsozialen Bewegung.

Scherrer befand sich auf einer Art Ferienreise zurück nach Hause in die Ostschweiz. Er hatte in Flüeli übernachtet.

Im Bette werde ich am Morgen durch Donner aufgeweckt[,] und mit wenig Freude höre ich das unaufhörliche Plätschern des schweren Regens. Das Heimweh und die Sorge um meine Lieblinge in St.Fiden zieht mich ans Telefon. Bitte St.Gallen 2178 und endlich klingt es: – Frau Scherrer hier! Mein liebes Fraueli teilt mir mit, dass es wieder ordentlich zwäg ist und heute Waschtag hat. Die Schwiegermutter ist vom Rheintal eingetroffen[,] und sie muss für mich nun doch Ersatz haben. Am Abend wird ein Brieflein von meiner lieben Gattin abgehen, bis dahin heisst es sich nun gedulden!

Der Refrain: es regnet wird vorläufig immer wiederkehren! Den ganzen lieben Tag regnet es nun. Wir sind gehalten draussen zu bleiben. In den Ferien soll man möglichst nichts tun. So habe ich den Tag mit Jassen zugebracht. Am Abend holte ich meinen Kollegen Bruggmann auf dem Bahnhof in Sachseln ab, da er mit mir die Ferien hier zubringen will. – Die Gesellschaft ist im Flüeli nicht so übel. Mir fällt es zwar immer schwer[,] mich anzuschliessen. Aber das Regenwetter zwingt einem[,] Anschluss zu suchen. Da Kollege Bruggmann nun da ist, lässt sich die Sache machen. Wir gehen 10¼ Uhr ins Bett.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 108/1 (Tagebuch) und W 108/3.3 (Ehepaar Josef und Maria Scherrer-Brisig, ca. 1928)

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