Montag, 4. Dezember 1916 – „An die Kunst“

Sucht man im Katalog des Staatsarchivs St.Gallen im Zeitraum von ca. 1900 bis 1920 nach einem Bild zum Thema Kunst, so findet man diverse Begriffe: Kunsthonig, Kunststein, Kunstbutter, Kunstgärtnerei, Kunststickerei, Kunstschlosserei, Kunstmarmor, Kunstdruckerei, Kunstmalerutensilien, Kunstbuchhandlung, ein Atelier für Bau- und Monumentalkunst, eine kunstgewerbliche Werkstätte, eine Photographische Kunstanstalt, eine Anstalt für kirchliche Kunst.

Dr. Friedrich (Fritz) Rohrer wurde in Buchs geboren. Er studierte an den Universitäten Würzburg, Wien und Zürich Medizin und schloss mit einer Dissertation über „Das primäre Nierencarcinom“ ab. Er praktizierte von 1871 bis 1874 als Arzt in Buchs, war gleichzeitig Bezirksschulrat und Kantonsrat. Von 1885 bis 1921 war er in Zürich Privatdozent für Ohrenheilkunde. Auch dort wirkte er als Politiker im Kantonsrat. Rohrer war auch begeisterter Botaniker und legte ein Herbarium von ca. 50‘000 Blättern an.

An die Kunst.

Aus Lilien zart und weiss

Und purpurroten Rosen

Erhebt sich sanft und leis

Das holde Bild der Kunst;

Umschwebt in Farbenpracht

Von Faltern, meisterlosen

So emsig Tag und Nacht

Wohl um des Himmels Gunst.

Sei uns gegrüsst

Aus Blumen traut Geborne;

Du goldner Hoffnungsstern,

Vom Schicksal Auserkorene

Der Menschheit, nach und fern.

 

Du bist und fern, doch nah

Dem unbeschwerten Herzen.

Verschmachtend, wer Dich sah

Fühlt selig sich erquickt.

Hoch flammt Dein heil’ger Chor!

In tausend Königskerzen

Brunsthell Dein Trieb empor

Und hat die Welt beglückt.

Sie uns gegrüsst,

Du Born, aus ew’gen Auen,

Du strahlend kühner Held,

Dir wollen wir vrtrauen

So lang es Gott gefällt.

Zürich, 4.XII.1916              Dr. Fritz Rohrer

Portraet

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 009 (Gedicht „An die Kunst“ von Dr. med. Friedrich Rohrer (1848-1932)), BMA 406 (Porträt), ZDA 2/2.18.0120 (Informationen zur Biografie) und ZMH 02/030 (Briefkopf, 1901)

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