Mittwoch, 14. Juni 1916 – Die Schweizerische Depeschen-agentur vergisst die Ostschweiz, wichtige Nachrichten kommen zu spät

Auszug aus dem Protokoll der Betriebskommission der Buchdruckerei „Ostschweiz AG St.Gallen“:

3. Die Redaktion hat sich bei der schweiz. Depeschenagentur Zürich darüber beschwert, dass der Ostschweiz wichtige Kriegsereignisse, wie Tod Lord Kitschener und Fallen der Panzerfeste Vaux, nicht rechtzeitig berichtet wurden, während das Tagblatt diese Nachrichten viel früher bekommen hatte und daher eine ungleiche Bedienungsweise vorliege. Weil die ohnehin teuer zu bezahlenden Depeschen durch verspätetes und nicht gleichzeitig mit dem Tagblatt eintreffendes Erscheinen sehr von ihrem Werte verlieren, wird beschlossen, auch von uns aus bei der Schweiz. Depeschenagentur vorstellig zu werden, falls dies von der Redaktion gewünscht wird.

„Die Ostschweiz“ war die Nachfolgerin der Zeitung „Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz“. Sie erschien von 1874-1997 (Jg. 1 bis Jg. 124). Das Bild erschien am 18. Juni 1916 in der Sonntagsbeilage zum St.Galler Tagblatt.

Lord Herbert Kitchener (geboren 1850) war Kriegsminister des Britischen Empire und kam auf einer diplomatischen Mission nach Russland beim Untergang des Panzerkreuzers HMS Hampshire am 5. Juni 1916 ums Leben.

Fort de Vaux, eine Festung nahe Verdun, wurde am 7. Juni 1916 nach der Kapitulation der französischen Besatzung an die deutsche Armee übergeben.

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, Wy 088 (Protokoll) und W 11.6.2 (St.Galler-Blätter für Unterhaltung und Belehrung aus Kunst, Wissenschaft und Leben. Illustrierte Sonntags-Beilage zum „St.Galler Tagblatt“, Nr. 24, 18.06.1916, S. 192)

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