Donnerstag, 29. Juni 1916 – Der Krieg bereitet auch den Elektrizitätswerken Sorgen

Auszug aus dem 2. Quartalsbericht (März bis Mai 1916) des Direktors der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke SAK zuhanden des Verwaltungsrates:

Kommentar

zu Seite 1 des II. Quartalrapportes (pro März-Mai 1916)

Die Stromkonsumabnahme von 13,1% gegenüber dem I. Quartal ist eine anormal grosse (als normal darf die letztjährige Differenz von rund 5% bezeichnet werden); sie erklärt sich in der Hauptsache aus der ausserordentlich ungleichmässigen, stossweisen Produktionstätigkeit unserer Industrie, bedingt durch die wiederholten Hemmungen in der Rohmaterialzufuhr. So hatten wir im I. Quartal, d.h. zu Beginn des Winters, eine momentane ausserordentliche Steigerung gewisser industrieller Produktionen zu verzeichnen und in Verbindung damit ein rapides Anwachsen des Kraftbedarfes. Schon seit Februar aber und bis zum Monat Mai hat diese Hausse sich allmählich wiederum in eine Depression umgewandelt, und dementsprechend sind auch unsere Stromabsatzziffern ständig gesunken.

Es handelt sich demnach bei dem prozentualen Missverhältnis zwischen den Konsumziffern des ersten und zweiten Quartals um die Einwirkung von Faktoren, die in den anormalen wirtschaftlichen Zuständen begründet, somit durchaus vorübergehender Natur sind und keinerlei Schlüsse auf den weitern Verlauf unserer Stromabsatzkurve zulassen. Im allgemeinen kann ja, ungeachtet der durch den Handelskrieg verursachten Schwankungen, ein stetig steigender Stromabsatz konstatiert werden; so haben wir im Berichtsquartal immerhin noch eine Mehrabgabe von ca. 755000 kWh gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres zu verzeichnen.

[…]

Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, B 001/2-2.6-2 (Protokoll) und B 001/6-1.1-53.01 (Dampfturbine im Elektrizitätswerk Kubel mit einer Leistung von 3000 PS, in Betrieb von 1907 bis 1931)

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